Erheblicher Sachschaden

Eklige Sache im MK: Mann zerstört Polizei-Klo - mit einem Strumpf

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Mit einer Socke zerstörte der damals 32-Jährige die Zellentoilette. (Symbolbild)

Lüdenscheid - Für eine Überraschung sorgte ein angeklagter Mann, der unter anderem eine Zellentoilette zerstörte. Was passiert ist, lesen Sie hier:

Es war ein kurzes Gastspiel, das ein damals 32-jähriger Mann im September 2019 in Lüdenscheid gab: Anschließend vermisste ein chinesischer Gastronomiebetrieb einen Tablet-PC. Die Drogerie Müller befreite kurz darauf Waren im Wert von 160 Euro aus der Aluminiumfolie, in die der Kunde seine Beute eingewickelt hatte. Angeblich hilft eine solche Maßnahme gegen vorhandene Warnsysteme. 

Im Gewahrsam der Polizei tobte sich der verhinderte Dieb an der Zellentoilette aus, indem er einen Strumpf um Teile des vorhandenen Örtchens band und so lange zog, bis nicht nur der Strumpf nachgab. Der nunmehr entstandene Schaden lag bei mehr als 1600 Euro. 

Folgerichtig musste der nunmehr um ein Lebensjahr gealterte Angeklagte noch einmal nach Lüdenscheid zurückkehren, diesmal ins Amtsgericht. Die Tatvorwürfe waren mithilfe von Verteidiger Arnd Katzke schnell geklärt. Sie wurden „uneingeschränkt eingeräumt“. Zwei interessante Fragen konnten geklärt werden: Wie und in welcher Verfassung war der 32-Jährige nach Lüdenscheid gekommen? Und was war zwischen diesem ersten Gastspiel und dem Termin im Amtsgericht geschehen? 

Wie so viele Geschichten vor Gericht begann auch diese mit exzessivem Drogenkonsum. „Ich war schwerst kokainabhängig über einen langen Zeitraum hinweg“, berichtete der Angeklagte. Deshalb wollte er ab Mitte September 2019 in eine Entzugsklinik in Hamburg gehen. Doch dort reagierte man sehr rigoros auf das verspätete Erscheinen des Drogenabhängigen, und damit war diese Chance vertan. „Ich habe den Termin versemmelt“, gestand der Angeklagte. Nun richtete sich seine Hoffnung auf eine Drogentherapie bei einem Träger in Lüdenscheid. Dieser lehnte eine Aufnahme jedoch ab, und so nahm das Unglück seinen Lauf. 

Der 32-Jährige pumpte sich mit Alkohol und Medikamenten voll und drehte „total durch“. Weil er obdachlos war und nur noch zehn Euro behalten hatte, um keine Drogen mehr kaufen zu können, beging er die Diebstähle. Und die Arrestzelle verwüstete er, weil er angeblich Angst vor einer erneuten Einweisung in die Psychiatrie hatte. 

Das Ergebnis verhielt sich konträr dazu. Die Märkischen Kliniken stellten den Patienten aber soweit wieder auf die eigenen Beine, dass er sich erneut um einen Therapieplatz in einer Rehabilitationsklinik kümmern konnte. Und so kam der 33-Jährige nach einer 34-wöchigen Therapie deutlich erholt ins Amtsgericht: „Ich bin komplett bei mir und guter Dinge“, erklärte er und distanzierte sich von dem „Mist“, den er gemacht hatte: „Ich steh’ dazu, was ich getan habe.“ Selbst die gut 1600 Euro für den Kloschaden bei der Polizei hatte er beglichen. Auch den Tablet-PC konnte er noch zurückgeben, weil er Skrupel gehabt hatte, ihn zu verkaufen. 

Und so würdigte Richter Thomas Kabus in seiner Urteilsbegründung den vollständig ausgeglichenen Schaden und einen Angeklagten, der nach seiner ersten Langzeittherapie „sehr selbstreflektiert hier sitzt“. Im Strafmaß folgte er dem Plädoyer des Staatsanwaltes, der eine Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung beantragt hatte.

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