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Eklat zur A45-Sperrung: „Sechsspuriger Ausbau ist ein Verbrechen“

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Von: Thomas Machatzke

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Talbrücke Rahmede
Für „ein Verbrechen“ hält ÖDP-Ratsherr Claudius Bartsch einen sechsspurigen Ausbau. © Cedric Nougrigat

Die A45-Sperrung mit all ihren Folgen, die Sprengung der Brücke und deren Neubau: So vielschichtig das Thema ist, so facettenreich kam es am Montag auch bei der Ratssitzung im Kulturhaus daher. Während der gemeinsame Antrag von Sozial- und Christdemokraten zur Umsetzung eines nächtlichen Fahrverbotes für den überregionalen Schwerlastverkehr ab 3,5 Tonnen im Rahmen der Diskussionen rund um die A45-Sperrung am Montag im Rat der Stadt gar nicht mehr diskutiert, sondern direkt zur Prüfung einer möglichen Umsetzung an die Verwaltung weitergegeben wurde, war für einen anderen Antrag im Rat erwartungsgemäß Endstation.

Lüdenscheid – Die Fraktion Die Linke hatte ihn gestellt, aber ÖDP-Ratsherr Claudius Bartsch war Initiator des Antrags und auch Wortführer. Bartsch sprach sich vehement gegen einen sechsspurigen Ausbau der Brücke aus und verwies aufs Weltklima. Er unterstrich die Wichtigkeit einer Umweltverträglichkeitsprüfung und appellierte an Sebastian Wagemeyer („Seien Sie ein Bürgerbeauftrager der Bürger und nicht der Wirtschaft!“), den sechsspurigen Neubau zu verhindern. Ein Plädoyer, das im Satz gipfelte: „Wenn diese A45-Brücke sechsspurig gebaut wird, ist das in meinen Augen ein Verbrechen.“

Bartschs Idee: Ein vierspuriger Neubau gehe schneller, sei günstiger. Das eingesparte Geld könne mithin in den Öffentlichen Personen-Nah-Verkehr (ÖPNV) fließen. Einen „aberwitzigen Antrag“, über den er sich „kolossal geärgert“ habe, nannte FDP-Ratsherr Jens Holzrichter die Ausführungen des ÖDP-Manns. „In Tagen, in denen es auf der Welt ganz andere Verbrechen gibt, in diesem Zusammenhang von einem Verbrechen zu sprechen, ist unmöglich“, stellte Holzrichter fest.

Ein vierspuriger Neubau, so Holzrichter weiter, würde Lüdenscheid nur langfristig weiter die Erwähnung in den Verkehrsnachrichten sichern. Ein Nadelöhr, für das Lüdenscheid über die Grenzen Deutschlands hinaus ausgelacht würde. Auch Bürgermeister Sebastian Wagemeyer brachte sein Unverständnis für die Sinnhaftigkeit des Antrags zum Ausdruck.

Nur Otto Ersching (Die Linke) hatte Verständnis für das Ansinnen von Claudius Bartsch. „Auf dem Weg zu einer Mobilitätswende stellt sich die Frage, ob wir den sechsspurigen Ausbau am Ende vielleicht nur für eine gewisse Zeit brauchen“, stellte der Linken-Ratsherr fest. Es war ein zaghafter Versuch. Am Ende stimmten Bartsch, Ersching und Jupp Filippek für für den Antrag und damit gegen den sechsspurigen Ausbau. SPD, CDU, FDP und auch Grüne indes dagegen. Das war erwartbar gewesen.

Dass bei den Brückenthemen Umwelt und Klimaschutz nicht zu kurz kommen, davon zeugten derweil auch Teile von Sebastian Wagemeyers Sachstandsbericht. Zum Beispiel bei der Verrohrung des Rahmedebachs im Bereich des Fallbetts für die Sprengung. Zu diesem Thema befinden sich die verantwortlichen Stellen im Moment in Verhandlungen mit der höheren Naturschutzbehörde, um die Dimension auszuloten, mit der die Verrohrung geschehen soll.

Wohl von Natur und Umwelt contra Bürger und Wirtschaft

Der Brückenneubau – er bleibt eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht. Wagemeyer gab einen Einblick in die tägliche Arbeit, in der es Anfragen von so vielen Stellen gebe – bis hin zu Vertretern der Archäologie, weil die Arbeiten rund um den Neubau der Brücke womöglich auch zwei alte Bergbaustollen betreffen könnten.

Im Blickpunkt steht derweil zumeist das Wohl von Natur und Umwelt auf der einen, aber eben auch Bürgern und Wirtschaft auf der anderen Seite. Und so wie sich Wagemeyer für die Bürger an der Lennestraße noch einmal für die schnelle Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen aussprach, so positionierte er sich auch für die Unternehmen der Region klar. „Die bisher zugesagten Wirtschaftshilfen durch Kredite in Höhe von 50 Millionen Euro helfen vor allem den größeren, aber nicht den kleineren Unternehmen und Gewerbetreibenden“, stellte der Bürgermeister fest, „50 Millionen sind bei 1,8 Milliarden Euro errechneten volkswirtschaftlichen Schadens ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit dieser Summe wird’s am Ende nicht getan sein.“

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