22-jähriger Plettenberger verurteilt

Einweisung in „Geschlossene“ nach brutalem Überfall auf Ärztin

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Lüdenscheid/Plettenberg/Hagen - Mit der Einweisung des Beschuldigten in eine geschlossene psychiatrische Klinik endete im Landgericht Hagen am Mittwoch das Unterbringungsverfahren gegen einen 22-Jährigen Plettenberger. Er hatte am 11. Januar gegen 23.15 Uhr in einer Grünanlage an der Glatzer Straße eine 35-jährige Ärztin gewürgt und mit einem Stein auf ihre Stirn eingeschlagen.

Nach kurzer Benommenheit hatte die Frau ihre Todesangst in Kampfeswillen verwandelt und sich energisch gegen den Täter gewehrt. Ein vorbeifahrendes Ehepaar half dem Opfer des brutalen Überfalls. Der Täter stellte sich drei Stunden später in der Polizeiwache Lüdenscheid und behauptete, er habe das Opfer auch vergewaltigen und berauben wollen. 

Dafür gab es aus Sicht der 1. großen Strafkammer aber keine objektiven Beweise. Die gefährliche Körperverletzung reichte für eine Einweisung allerdings völlig aus. 

Die forensische Psychiaterin Dr. Catia Loddo aus Lippstadt hatte in ihrem Gutachten deutlich gemacht, dass der 22-Jährige zum Tatzeitpunkt an einer schizophrenen Psychose litt und deshalb im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. 

Bei der Aufnahme in der Klinik attestierte er sich selber einen Gotteswahn und erzählte von sexuell eingefärbten Fantasien darüber, wie orgiastisch sich der Tod nach einem Selbstmord anfühlen müsse. Am Tatabend hatte er sich deshalb in einer Art persönlichem Opfergottesdienst befunden. Suizidgedanken hatten ihn auf eine Autobahnbrücke getrieben, Höhenangst hielt ihn auf Erden zurück. 

Das immense Aggressionspotenzial wandte der 22-Jährige gegen das zufällig aufgetauchte Opfer. 

Beim Stichwort „Reue“ fiel ihm in der Klinik nicht etwa der Angriff auf das Opfer ein: „Ich bereue, dass ich es nicht geschafft habe, mich umzubringen“, kommentierte er die Schnittverletzungen, die er sich nach der Tat zugefügt hatte. 

In seinem psychotischen Gottes- und Größenwahn war er offenbar der Meinung gewesen, dass er durch eine außergewöhnliche Tat in besonderem Kontakt zu Gott stehe. Der teile alle von Menschen gemachten Erfahrungen und werde durch irdische Erfahrungen bereichert.

„Die Gottes- und Größenfantasien des Beschuldigten sind noch nicht hinreichend behandelt. Deshalb besteht die Gefahr, dass er erneut Gewalterfahrungen mit Gott teilen möchte“, erdete der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz in seiner Urteilsbegründung die „himmlischen“ Wahnvorstellungen des 22-Jährigen. 

Der hatte bei seinem nächtlichen Besuch in der Polizeistation gesagt, dass er nach dem Scheitern seiner Suizidabsichten wenigstens weggesperrt werden wolle. Und so akzeptierte er auch das Urteil noch im Gerichtssaal. 

Auch Verteidiger Stephan Funke nahm Abstand von seinem Gedanken, dass die Einweisung in eine geschlossene Klinik schon jetzt zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare