Niedergang der Jugendarbeit in Lüdenscheid

+
Knax-Party 2015: Auch Großprojekte wie dieses müssen praktisch nebenbei abgewickelt werden.

Lüdenscheid - Ein geschlossener Jugendtreff in Wettringhof, Unterbesetzungen an allen Fronten der Kinder- und Jugendförderung, – im „Fachdienst 51.3 Jugendamt“, der Kinder- und Jugendförderung der Stadt, sieht es aktuell düster aus.

Im Jugendhilfeausschuss am Dienstag löste die Schilderung der Fachdienstleiterinnen, Barbara Kleine und Jessica Schmidt, Kopfschütteln aus. Der Fachdienst arbeite aktuell mit 69 Prozent der eigentlich vorgesehenen Ressourcen. Rechne man die Personalgestellung für das jetzt anlaufende Projekt „Jugend stärken“ hinzu, gehe die Kinder- und Jugendförderung mit noch 57 Prozent an den Start. Einige der Konsequenzen im Überblick:

- Der Jugendtreff Wettringhof war im vergangenen Jahr krankheitsbedingt längere Zeit geschlossen, aktuell sind die Türen aufgrund Personalmangels zu. Betreut wird die Einrichtung eigentlich aus einem „Personalpool“ der Treffs Wettringhof, Kalve und Haus der Jugend mit insgesamt drei Fachkräften. Doch die Mitarbeiterin für Wettringhof hat seit Juni die Stunden reduziert und ist jetzt abgestellt für das Programm „Jugend stärken“. Für die andere halbe Stelle, befristet bis Jahresende, wurde bislang kein Bewerber gefunden.

- Unübersichtlich ist die Situation auch für die anderen Treffs im Verbund. Der Treff an der Kalve wird von einer Fachkraft auf einer halben Stelle betreut, die andere Hälfte entfällt auf das Haus der Jugend. Diese Stelle ist aufgrund von Elternzeit allerdings befristet bis Mitte Dezember.

„Drastische Angebotsreduktion“

- Die besucherstärkste Einrichtung, der Jugendtreff Stern-Center mit wöchentlich 100 Stammgästen, sollte eigentlich mit zwei Fachkräften in Vollzeit ausgestattet sein. In der Praxis gibt es aktuell nur einen Mitarbeiter, die zweite Stelle war lange unbesetzt. Immerhin: Die Verstärkung soll im Oktober kommen. Seit Oktober letzten Jahres fehlt auch der vorgesehene Praktikant im Freiwilligen Sozialen Jahr. Darüber hinaus wird auch vom Treff Stern-Center eine halbe Stelle ins Programm „Jugend stärken“ eingespeist. Im Ergebnis seien die Öffnungszeiten reduziert worden.

- Faktisch auf Null gesetzt ist der Bereich des Kinder- und Jugendschutzes, der vor einer „drastischen Angebotsreduktion“ steht, wie Schmidt und Kleine ankündigten. Dessen Leitungs- und Koordinationsaufgaben werden in der Praxis auf alle anderen Mitarbeiter delegiert. Dazu gehören die Organisation und Finanzkalkulation, Beratungsaufgaben für Lehrer- und Erzieherinnen, politische Bildung. Suchtprävention und vieles weitere als Querschnittstätigkeit für den gesamten Fachdienst.

Erst wurden im Kinder- und Jugendschutz aus einer vollen Stelle zwei halbe, dann schied die Inhaberin der halben Stelle aus. Nachbesetzt wurde aufgrund des Haushaltssicherungskonzepts nicht, dann fiel auch der Inhaber der zweiten halben Stelle gesundheitsbedingt aus. Weil auch hier die halbe Stelle durch das Programm „Jugend stärken“ erneut halbiert wird, bleibt bis Ende 2018 nur noch eine Viertelstelle übrig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare