Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Hermann-Gmeiner-Schule

Zahlreiche Lüdenscheider nutzten die Gelegenheit, Kleidung und Spielsachen für die Neuankömmlinge zu spenden.

Lüdenscheid - „Wir wussten, dass da was kommt. Aber mit so einem Andrang hat keiner gerechnet.“ Petra Noack, Leiterin des Fachdienstes Rat und Bürgermeister, packte und sortierte am Dienstag selber Kleidung und Spielzeug für die Flüchtlinge, die in der Hermann-Gmeiner-Schule untergebracht sind.

Die Dienststelle war spontan eingesprungen, weil die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Lüdenscheider unter der dafür geschalteten Telefonnummer 17 23 56 völlig den Rahmen sprengte, wie Pressesprecher Wolfgang Löhn schildert. Die Kapazitäten reichten gerade, Namen und Rückrufnummern zu notieren. Etwa 50 Bürger nutzten dann von 16 bis 18 Uhr die Gelegenheit, Spenden direkt abzugeben.

Diese Möglichkeit bleibt zunächst weiter bestehen. Weitere Kontaktstelle für Spendenangebote ist auch das Gemeindebüro der evangelischen Kirchengemeinde Oberrahmede, Tel. 5 43 43, kirche-oberrahmede@online.de. Spenden direkt an der Hermann-Gmeiner-Schule können nicht entgegengenommen werden.

Allein am Dienstag reichten Kleider- und Spielzeugspenden für einen bis unters Dach vollgepackten Transporter des STL. „Die Menschen kamen voll bepackt mit Kisten und sogar Sackkarren ins Bürgerforum“, schildert Petra Noack die Situation. Zum Teil hätten Bürger auf den Spendenaufruf hin eigens eingekauft und nagelneues Spielzeug beschafft. Auch direkte Hilfen wie Unterstützung bei Behördengängen oder Kinderbetreuung sei angeboten worden.

Kaum Gepäck, riesiger Bedarf

Der Bedarf auf der anderen Seite ist riesig. Die Flüchtlinge kamen mit minimalem Gepäck. Sie benötigen brauchbare Kleidung jeglicher Art für alle Alterslagen, gut erhaltenes Schuhwerk und Spielzeug für die Kinder. Mittelfristig werden sie auch Geschirr und Bettzeug brauchen, dann werde die Verteilung über die Flüchtlingshilfe organisiert.

„Das ist ein tolles Zeugnis für die Zivilgesellschaft in Lüdenscheid“, fasst der Beigeordnete für Recht und Soziales, Thomas Ruschin, den Auftakt der Notunterbringung zusammen. „Wir sind als Stadt überwältigt und dankbar“, sagt er mit Blick auf die Spendenbereitschaft und den Einsatz der Hilfsorganisationen. Johanniter, Rotes Kreuz und THW hätten ebenso wie die Dienststellen der Stadt hervorragende Arbeit geleistet: „Das war hochprofessionell, ganz großes Kino.“ Inzwischen sei die Einrichtung mit der Ankunft eines weiteren Busses voll belegt.

Die Röntgen-Reihenuntersuchungen seien abgeschlossen, die erste Nacht ruhig verlaufen. Zu klären ist aus Sicht Ruschins zurzeit mit Vorrang, wie lange die Unterkunft am Dickenberg offen gehalten werden muss. Eine entsprechende Nachfrage werde er zeitnah an die Bezirksregierung richten, weil auch die beteiligen Hilfsorganisationen, insbesondere die JUH, Planungssicherheit erhalten müsste.

Denn die JUH stoße personell derzeit an Grenzen, wie Jutta Beißner, Pressebeauftragte des Regionalverbandes Südwestfalen, im Gespräch deutlich macht. Die Johanniter suchen derzeit offensiv nach Sozialarbeitern und Betreuern für einen Zeitraum von sechs Wochen, um die Flüchtlinge am Dickenberg zu begleiten und zu betreuen. Gefordert sei Offenheit, Toleranz und die Bereitschaft, in drei Schichten zu arbeiten.

Dr. Karl Heinz Blasweiler, Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister, sagte, heute oder morgen werde Fachdienstleiterin Martina von Schaewen vor Ort sein, um die Parkverbotsbeschilderung an der Schulstraße zu reduzieren. „Wir wollen natürlich die berechtigten Sorgen und Nöte der Anwohner berücksichtigen.“ Da die Hallennutzung für den Sportbetrieb jetzt entfällt, suche man im Gespräch mit dem Vereinen nach Lösungen.

Kostenfrei für die Stadt

Gestern Abend wurden die Politiker in einer Ältestenratssitzung über den aktuellen Stand informiert. Auch Dr. Blasweiler hob die besondere Rolle der Hilfsorganisationen hervor. „Man kann nur stolz sein auf die Leistungsfähigkeit und Bereitschaft der Menschen. Das ist einfach traumhaft.“ Der Stadt koste die Unterbringung der Flüchtlinge nichts. „Das übernimmt die Bezirksregierung, die ja das Amtshilfeersuchen an uns gestellt hat.“

Spendenkonto: Die Johanniter Regionalverband Südwestfalen Sparkasse Lüdenscheid IBAN: DE18458500050007092505 BIC: WELADED1LSD

Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe Lüdenscheid

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare