Ein Erlebnisprotokoll

Einkaufen im Rewe bis 24 Uhr: Zwischen Wachmann und verwaisten Gängen

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Einen späten Abend ab 22 Uhr hat LN-Reporter Maximilan Birke am und im Rewe-Markt an der Bromberger Straße verbracht. Foto: Birke

Lüdenscheid – Seit dem 1. September hat der Rewe-Markt an der Bromberger Straße seine Öffnungszeiten werktags von 22 auf 0 Uhr erweitert. Rewe Dortmund, zu dem die Filiale an der Bromberg Straße gehört, ist bisher zufrieden. Wie viele Kunden nachts tatsächlich in der Filiale unterwegs sind, davon hat sich LN-Reporter Maximilian Birke ein Bild gemacht.

„Durch die erhaltene positive Resonanz der Kunden in Lüdenscheid sehen wir uns darin bestätigt, dass die verlängerten Öffnungszeiten von den Kunden gewünscht und angenommen werden“, erklärt Rewe-Sprecherin Annika Amshove. 

Beziffern ließe sich die positive Resonanz jedoch nicht: „Spätöffnung ist eine Reaktion auf flexiblere Arbeitszeiten, einen wachsenden Dienstleistungssektor, aber auch auf veränderte Einkaufs- und Konsumgewohnheiten“, so Amshove. Verlängerte Öffnungszeiten bedeuteten deshalb „nicht linear mehr Umsatz, da Kunden die Einkäufe in die Abendstunden verlagern, weil sie dann mehr Zeit haben“. 

Maximilan Birkes Erlebnisprotokoll des Abends:

22.10 Uhr: Mit ein bisschen Verspätung – eigentlich wollte ich um 22 Uhr da sein – komme ich auf dem Parkplatz des Rewe-Marktes an. Abgesehen von dem Supermarkt, ist in allen Läden bereits Feierabend. Die Lichter sind aus, die Läden verwaist. 

22.14 Uhr: Ganz anders sieht es dagegen im Rewe aus. Hier ist noch richtig was los. Vor dem Eingang zum Getränkemarkt steht eine Gruppe von Menschen und unterhält sich angeregt. 

22.19 Uhr: Kleinere Gruppen von Jugendlichen verlassen in regelmäßigen zeitlichen Abständen die Filiale, eingedeckt mit Chips und Knabbereien. 

22.22 Uhr: Auf dem Parkplatz stehen noch einige Autos. 20 würde ich schätzen. In einigen davon sind die Fenster beschlagen. Die Fahrer sitzen noch in den Fahrzeugen. Ein Audi-SUV steht mit laufendem Motor vor dem Laden. 

22.24 Uhr: Die Menschen, die jetzt einkaufen gehen, fahren größtenteils in Gruppen auf den Parkplatz. Gerade rückt wieder eine kleine Kolonne an. Die Fahrer bleiben im Auto, die anderen Insassen verschwinden gemeinsam in den Laden. 

22.30 Uhr: Der Fahrer des Audi-SUV hat endlich seinen Motor abgestellt. 

22.32 Uhr: Gerade kommt der Security-Mann aus dem Rewe und läuft jetzt vor dem Eingang auf und ab. In regelmäßigen Abständen kontrolliert er, ob auf dem Parkplatz alles mit rechten Dingen zugeht. 

22.35 Uhr: Patrouille beendet: Jetzt gibt’s erst mal eine kurze Zigarettenpause. 

22.40 Uhr: Auf dem Parkplatz leert es sich zunehmend. Im Laden ist hingegen noch der ein oder andere Kunde unterwegs. 

22.42 Uhr: Es regnet. Ich frage mich, ob hier wohl noch mehr los wäre, wenn das Wetter besser wäre. Andererseits: Die Kunden können hier direkt vor der Ladentür parken, also wahrscheinlich nicht. 

22.45 Uhr: Ich verlasse mein kuschelig warmes Auto, das inzwischen auch ganz beschlagen ist, und gehe in die Filiale, um mir dort einmal ein Bild zu machen, was noch los ist. 

22.46 Uhr: Ich betrete den Rewe-Markt und werde kurz von dem Wachmann gemustert. 

22.48 Uhr: Mein erster Eindruck: Es ist doch weniger los, als es von außen aussah. Die Gänge sind größtenteils verwaist. 

22.49 Uhr: Die Fleisch- und Käsetheke ist geschlossen. 

22.53 Uhr: Während ich so durch die Filiale schlendere, kommt mir mehrere Male der Mann von der Security entgegen. Es scheint, als liefe er auch hier drinnen Patrouille. 

22.57 Uhr: Ich treffe ein junges Pärchen, das gerade fleißig einkauft. Der Wagen, den sie vor sich herschieben, ist gut gefüllt. Die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt mir, dass sie im Schichtdienst arbeitet. Ihr kämen die verlängerten Öffnungszeiten sehr entgegen. 

22.59 Uhr: Wir verabschieden uns voneinander und ich ziehe weiter durch den Laden. Weil ich Hunger habe, mache ich mich auf die Suche nach einem kleinen Snack. 

23.04 Uhr: Es ist wirklich ungewohnt, durch einen so leeren Supermarkt zu laufen. Man fühlt sich irgendwie fehl am Platz. Die meisten Einkäufer, die nach 23 Uhr im Rewe unterwegs sind, haben nicht viel unterm Arm, wenn sie die Kasse ansteuern. Hauptsächlich sind es Dosengetränke wie Bier, Energy-Drinks oder aber Knabberzeug. 

23.09 Uhr: Der Wachmann läuft gefühlt zum hundertsten Mal an mir vorbei. Er lächelt mir freundlich zu, während ich mir gerade eine Packung Quark aus der Kühlung fische. 

23.11 Uhr: Irgendwie kann ich das Knäckebrot nicht finden… 

23.14 Uhr: Jetzt hab ich’s gefunden! Ich mache mich auf den Weg zur Kasse. 

23.15 Uhr: Auch auf dem Weg in Richtung des Ausgangs sehe ich nur sehr vereinzelt Kunden in den Gängen. Ein junger Mann unterhält sich gerade angeregt mit einem Rewe-Mitarbeiter. Es geht um Beziehungssachen, scheint aber etwas Positives zu sein, denn beide Männer lachen. 

23.18 Uhr: Die drei Rewe-Mitarbeiter, die zu dieser späten Stunde noch arbeiten müssen, nutzen die ruhige Zeit, um ungestört die Regale mit Lebensmitteln aufzufüllen. 

23.23 Uhr: Nach einem kurzen Schlenker in die Abteilung für Thermoskannen erreiche die Kasse. Ich bin sofort dran. Einen Vorteil hat das späte Einkaufen also: Ich muss mich nicht anstellen und warten. 

23.24 Uhr: Die Kassiererin ist sehr freundlich. Sie kassiert Quark und Knäckebrot. Für unter drei Euro erstehe ich meinen Mitternachtssnack. Ich zahle passend und begebe mich auf den Weg zum Parkplatz. 

23.25 Uhr: Noch bevor ich den Laden verlassen habe, nehmen die Dame und der Wachmann ihr reges Gespräch wieder auf, das ich gerade mit meinem Einkauf unterbrochen habe. 

23.27 Uhr: Im Auto angekommen mache ich mir den Quark auf und genehmige mir erst mal eine kleine Stärkung. Den Parkplatz behalte ich im Auge. Vor dem Rewe stehen noch genau vier Autos. Eins davon ist meins. 

23.34 Uhr: Hier auf dem Parkplatz ist wirklich tote Hose. Gerade verdrückt sich auch eine Gruppe von Passanten, die vor dem Markt im überdachten Bereich ein Dosenbier getrunken und sich angeregt unterhalten hat. 

23.35 Uhr: Jetzt sind es noch zwei Fahrzeuge. 

23.48 Uhr: Endspurt: Zwei junge Herren sind eben auf dem Parkplatz angekommen und in den Rewe Markt gelaufen. 

23.52 Uhr: Kurz vor Ladenschluss wird es auf dem Parkplatz noch mal ein bisschen interessanter: Einige getunte Autos drehen hier zügig und mit einem ordentlichen Motorsound ihre Runden. Ein älterer VW Golf heizt über den Parkplatz, dann halten die Autos und zwei junge Frauen steigen aus. Sie gehen in den Rewe. Die Motoren laufen im Stand weiter. 

O Uhr: Um Punkt 0 Uhr verlassen die letzten Kunden den Rewe-Markt. Zwei Minuten später ist der Parkplatz leer. Der Wachmann und die Mitarbeiter sitzen noch einige Zeit gemeinsam im Laden und unterhalten sich. Eilig scheint es hier niemand zu haben. 

0.15 Uhr: Ich wollte eigentlich warten, bis hier wirklich das Licht ausgeht, aber das scheint noch einen Augenblick zu dauern. Also trete ich den Heimweg an. 

Mein Fazit: Es war weniger los, als ich dachte. Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, sind die verlängerten Öffnungszeiten aber tatsächlich gut, das kann ich mir vorstellen. Insofern kann ich Annika Amshoves Aussage bestätigen: „Im Sinne der Kundenorientierung befriedigt die Spätöffnung als Service ein relevantes Kundenbedürfnis“, erklärte die Sprecherin.

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