Einigung mit Verwaltung: Baby-Besuch ab April

Hermann Morisse

LÜDENSCHEID ▪ Ab April kann sich jede junge Lüdenscheider Familie, die gerade Nachwuchs bekommen hat, auf einen Begrüßungs-Besuch der künftigen Familienlotsin der Stadt einstellen. Wie berichtet, hatte es im Stadtrat noch am Montag Streit um den Umfang der dafür vorgesehenen Zeitstelle gegeben.

Dieser Disput wurde kurzfristig beigelegt, wie Hermann Morisse (Die Grünen) als Vorsitzender des Ausschusses für Jugendhilfe am Donnerstag bestätigte. „Ab April gibt es für die Lotsin die halbe Stelle, und ab April sollen auch die Begrüßungs-Besuche bei den Familien einsetzen.“

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung für diese Aufgabe nur eine Viertelstelle im Rathaus freigraben können, wie Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder im Stadtrat berichtet hatte. Schon im Rat hatten Morisse und die SPD-Politikerin Verena Kasperek eine halbe Stelle verlangt – auch mit Blick auf die Vernetzung im System der „Frühen Hilfen“. Daran sind Geburtsstationen und Hebammen ebenso beteiligt wie Kinderärzte oder Beratungsstellen. Das Netz soll junge Familien in Krisen rechtzeitig auffangen, damit das Kindeswohl unbeschadet bleibt.

Die Lotsin übernimmt dabei eine Botschafterrolle – und das ausdrücklich ohne Kontrollfunktion, wie sie etwa die Stelle hat, die verpassten U-Untersuchungen nachspürt. Die Lotsin klingelt nach Anmeldung an – mit Infomaterial und womöglich einem Windelpaket unterm Arm, Genaueres ist hier laut Hermann Morisse noch festzulegen. Die Lotsin begrüßt die neuen Kleinbürger in Namen ihrer Geburtsstadt und zeigt den Eltern damit vor allem: Wir sind für euch da.

Erfahrungen anderer Städte belegen, dass dies bei jungen Eltern, um die sich jetzt viele Kommunen mit Blick auf ihren Bevölkerungsschwund verstärkt kümmern, viel besser ankommt als ein Bürgermeisterbrief. Und: Sollte es später ein Problem geben, erinnern sich Familien eher an die Besucherin, die sie dann als vertraute Ansprechpartnerin in Anspruch nehmen können. Die Lotsin wiederum kann rasch einschätzen, welches Hilfsangebot in Frage kommt und den Weg zu Betreuungsangeboten oder auch Schuldenberatern aufzeigen.

Wird all das nicht gebraucht – umso besser. Dann aber hat sich „die Stadt“, die sonst als anonyme Behörde wahrgenommen wird, zumindest sehen lassen – eine echte Marketing-Maßnahme.

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