Platestahl-Produktionshalle wächst in Riesenschritten

Stück für Stück hievt der Schwerlastkran Betonfertigteile rund um die alte Produktionshalle an ihren Platz.

BRÜNINGHAUSEN - Der lange und harte Winter hat einen Baustopp erzwungen. Einen ganzen Monat haben die Macher verloren, sagt Projektleiter Michael Schulte. Doch jetzt geht es in Riesenschritten voran, die letzten Stahlbeton-Fertigteile schweben an ihren Platz und werden montiert.

Die neue Produktionshalle von Platestahl in Brüninghausen, eine 3,5-Millionen-Euro-Investition, nimmt Gestalt an – und wölbt sich über die noch stehende alte Halle. Deren Tage sind gezählt.

So traditionsbeladen der Schmiedestandort Brüninghausen für das 1863 gegründete Unternehmen ist, so problematisch ist seine Lage. Im engen Versetal, in direkter Nachbarschaft zu schmucken Einfamilienhäusern, ist Expansion ein schwieriges Geschäft. Michael Schulte: „Wir sind quasi eingezwängt, vorne die Straße mit Wohnbebauung, hinten der Berg.“ Die unternehmerische Entscheidung, eine nagelneue 2000-Tonnen-Presse anzuschaffen, spricht für eine gesunde Konjunktur, setzt die Verantwortlichen aber gleichzeitig unter Zugzwang. „Es ist einfach zu eng.“

Die alte Halle mit zwei Walzanlagen einfach abzureißen und Produktionsausfälle hinzunehmen, bis der Neubau steht, das erschien dem Projektteam um Schulte wirtschaftlich und organisatorisch nicht vertretbar. Die Architekten des Büros „artec“ am Freisenberg – Schöpfer so prägender Industriebauten wie dem der Firma Vogler im interkommunalen Gewerbegebiet Heedfeld – haben eine ungewöhnliche Lösung entwickelt und überbauen das alte Gemäuer, während in ihm in drei Schichten mit jeweils sieben Männern noch fast normal gearbeitet wird.

Eine weitere Herausforderung ist der sogenannte Knüppelplatz, auf dem vor und nach der Bearbeitung Stähle gelagert werden. Von dem Gelände aus bewirtschaftet Platestahl zwei Produktionshallen. Der Transportkran überm Knüppelplatz muss für den Neubau weichen, aber auch das hätte bei herkömmlicher Vorgehensweise Verzögerungen und Stillstand in den beiden Hallen bedeutet. Also rissen die Bauleute zunächst nur den halben Kran ab und erstellten im ersten Bauabschnitt eine Hälfte der neuen Halle mit neuem Transportkran. Hat der seine Arbeit aufgenommen, ist die andere Hälfte dran. Der Produktionsprozess muss weiterlaufen.

Eine kleine Pause wird es dennoch geben. Denn wenn der Neubau mit seinen 77 Metern Länge, 23 Metern Breite und 16,50 Metern Höhe endlich steht, schlägt das letzte Stündlein der „Halle in der Halle“, die der neuen Anlage weichen muss. Aber mal eben abreißen und den Schutt wegbringen, auch das wird nicht funktionieren. Michael Schulte weiß schon, wie es laufen wird. „Wir müssen das alte Gebäude, so wie es damals aufgebaut wurde, vorsichtig händisch abtragen.“ Etwa in einem DreivierteljJahr soll das Projekt abgeschlossen sein.

Das Vorhaben bedeutet für derzeit 250 Beschäftigte bei Platestahl ein Stück Zukunftssicherung. Das Unternehmen, laut Internetauftritt „ein führender Hersteller von gewalzten Ringen, geschmiedeten Scheiben und gezogenem Blankstahl aus Edelstahl“, hält dem Standort Brüninghausen weiter die Treue – Enge hin oder her.

Olaf Moos

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