Eine Unfallflucht, die keine war

Lüdenscheid - Eine Unfallflucht, die keine war, ein Führerschein, der nicht hätte sichergestellt werden dürfen, ein unbestätigter Akoholverdacht – der Prozess gegen einen Pensionär klingt wie ein einziges Missverständnis. Aber die Staatsanwaltschaft hat die Sache angeklagt, und so muss Strafrichter Kabus die Suppe auslöffeln.

Es geht um den 30. Juli, Timbergstraße. Der 64-Jährige streitet gar nicht ab, abends um 23.25 Uhr vor einer Kneipe mit seinem Golf einen Wagen touchiert zu haben. „Ich rangierte rückwärts, dann gerieten die Rückspiegel aneinander.“ Es sei nur ein wenig Gummiabrieb zu sehen gewesen. „An meinem Golf war kein Schaden.“

Der Besitzer des Wagens hat beim Automatenspielen in dem Lokal ein Geräusch gehört – „hörte sich an wie eine Coladose“ – und kommt hinzu. Man kennt sich. „Ich regle das gleich morgen“, sagt der 64-Jährige. Er möchte nach Hause. Es gibt Zeugen. Die erzählen was anderes als der Geschädigte.

Der behauptet, er habe die Polizei holen wollen. „Ich habe mal schlechte Erfahrungen gemacht.“ Der vermeintliche Täter sei trotzdem weggefahren. „Mein Auto war ein wirtschaftlicher Totalschaden – 1920 Euro.“ Die Zeugen berichten übereinstimmend: Der Geschädigte hat sich erst 20 Minuten nach der angeblichen Unfallflucht entschieden, die Polizei zu rufen.

Richter Kabus: „Es drängt sich der Verdacht auf, Sie wollten weg, weil Sie getrunken hatten.“ Belegbar ist das nicht. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt einen Freispruch. Dem Pensionär steht sogar eine Entschädigung für seine führerscheinlose Zeit zu.

Von Olaf Moos

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