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Roboter-Katze serviert Frühlingsrollen

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Von: Fabian Paffendorf

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Der BellaBot sorgt für gute Laune, wenn er durch das Restaurant fährt.
Der BellaBot sorgt für gute Laune, wenn er durch das Restaurant fährt. © Fabian Pafendorf

Die neue Kollegin im Service des asiatischen Restaurants Feuer Phönix an der Heedfelder Straße ist gerade einmal 1,30 Meter groß, aber ein echtes Multitalent. Sie serviert, singt dabei Geburtstagsständchen, schnurrt und miaut.

Lüdenscheid – Die Katzendame mit Namen BellaBot ist weder Mensch noch Tier. Sie ist ein Stück Hightech, das aktuell vermehrt im Gastronomie-Bereich anzutreffen ist.

„In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Firmen, die Roboter für den Gastro-Betrieb entwickelt hatten, aber wirklich ausgereift waren die nicht. Die haben einfach nicht überzeugt“, sagt Feuer-Phönix-Chef Kiahao Yang. Notwendigkeit für hoch technisierte Erleichterungen im Service-Bereich sei jedoch spätestens seit der Corona-Krise gegeben gewesen. „Immer mehr Menschen, die in der Gastro beschäftigt waren, sind abgewandert. Neues Personal ist bis heute nur schwer zu finden“, erklärt Yang seine Motivation, dennoch nach einem Service-Roboter Ausschau gehalten zu haben.

Die anfängliche Skepsis gegenüber der Robotik habe er vollends dann abgelegt, als er den BellaBot der Firma „Digpanda Robotics“ bei einem Branchen-Kollegen in Aktion gesehen habe. Die Funktionen des Roboters mit dem stilisierten Katzengesicht auf dem Display hätten ihn schnell überzeugt. BellaBot kann Gäste in Empfang nehmen und zum Tisch begleiten, Essen und Getränke ausliefern oder seine Runden durchs Restaurant fahren, um Geschirr einzusammeln. „Außerdem sind die Gäste begeistert, wenn der Roboter durch den Laden flitzt und gute Laune verbreitet“, sagt Kiahao Yang und startet die Maschine mit den Tablettfächern im Bauch für eine Proberunde.

Einfache Bedienung über den Touchscreen

Kaum eingeschaltet, erscheint das fröhlich dreinblickende, feine Antlitz auf dem Monitor. Aus den integrierten Boxen des Roboters ertönt eine liebliche Frauenstimme: „Miau. Was kann ich für Sie tun?“ Die Antwort darauf gibt der Gastronom mit einem Fingertipp. Auf dem Screen stehen verschiedene Optionen zur Auswahl. Eine Getränkebestellung soll der Roboter zum Tisch bringen. Jetzt noch ein zweites Antippen des Touchscreens und schon weiß BellaBot, wohin ihr Weg sie führt. Das Befüllen der Tabletts im Robo-Bauch übernehmen die Kolleginnen und Kollegen aus Fleisch und Blut. „Der Roboter erkennt es, wenn ein Tablett voll ist und setzt sich dann erst in Bewegung“, erklärt Kiahao Yang. Es lässt sich einstellen, wie viele Schubfächer belegt werden sollen.

Der BellaBot – oder auch „Lucy“, wie der Hersteller das Modell ab Werk getauft hat – bekommt zwei Gläser mit Getränken aufs Tablett gestellt und fährt los. Es ertönt Musik, die Techno-Katze bittet um „Vorsicht, Platz da!“, „Dürfte ich bitte mal durch?“ und offenbart beim Davoneilen ein Stück weit ihre Verwandtschaft zum Auto: Auf BellaBots Rücken blinken beim Abbiegen LED-Pfeile auf.

Muss der Katzenroboter nicht gerade links oder rechts zwischen den Tischen abfahren und ist auf gerader Strecke unterwegs, so bilden die LED-Lämpchen die angesteuerte Tischnummer ab, oder eine Laufschrift zieht darauf vorüber. So oder so – wenn der putzig anmutende Computer auf Rädern durchs Restaurant zieht, dann ruft das bei den Gästen unterschiedliche Reaktionen hervor. Die ältere Dame, die vom Salatbüffet zurück zum Tisch geht, bleibt kurz stehen und blick verwundert drein. An einem anderen Tisch springen die Jugendlichen augenblicklich auf und zücken die Smartphones, um die miauende Technik zu fotografieren. Ältere Semester an den Tischen bleiben lieber sitzen und setzen ein breites Lächeln auf. Keine Frage, der Service-Roboter provoziert durchweg positive bei den Gästen. Feuer-Phönix-Betreiber Kiahao Yang hat das Staunen auch nach über zehn gemeinsamen Monaten mit der Roboter-Kollegin noch nicht verlernt: „Das ist echt eigenartig. Als Kind hat man so etwas nur in Science-Fiction-Filmen gesehen. Und heute serviert tatsächlich ein Roboter im Restaurant.“ Das Stückchen wahr gewordener Kindheitstraum ist allerdings nicht ganz billig, wie der Gastronom erzählt. Rund 14 000 Euro habe die Maschine in der gewünschten Ausführung gekostet. Inbegriffen seien im Preis ein Techniker fürs Einrichten der Software sowie ein leistungsstarker Akku gewesen („Eine Aufladung reicht für einen ganzen Tag aus“).

Ab Werk mit dabei: Ein klein wenig Persönlichkeit und Stubentiger-Mentalität für den Roboter. Ebenso wie eine echte Katze mag die Metall-Mietze es natürlich auch, wenn man sie an den Ohren krault. Sie zeigt dann ein besonders fröhliches Gesicht auf dem Display und schnurrt laut. Zu viel Kuscheln verträgt sie aber nicht. Dann tönt es aus den Lautsprechern schon einmal: „Könntest du bitte damit aufhören mich anzufassen?“

Feuer-Phönix-Chef Yang krault die neue Service-Kraft. Rund 14 000 Euro hat die innovative Technik mit dem Katzengesicht gekostet.
Feuer-Phönix-Chef Yang krault die neue Service-Kraft. Rund 14 000 Euro hat die innovative Technik mit dem Katzengesicht gekostet. © Paffendorf

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