Eine Kaffeemühle für das Virtuelle Museum

Kaffee gehört seit Jahrhunderten zum guten Ton

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Diese Kaffeemühle wurde um 1800 im Westfalen benutzt.

Lüdenscheid – Oft sind es ganz alltägliche Dinge, die viel über die Menschen und ihr Leben in ihrer jeweiligen Zeit ausdrücken –  viele solcher Stücke wurden bereits im Virtuellen Museum vorgestellt. Heute kommt ein weiteres hinzu: Eine Kaffeemühle aus Westfalen, die um das Jahr 1800 hergestellt wurde. Für die Museen der Stadt wurde sie seinerzeit für 780 D-Mark erworben.

Das Stück ist zum einen ein Beispiel für einen Alltagsgegenstand, der seit Jahrhunderte hinweg in Haushalten zu finden ist und dabei in seiner Funktionsweise kaum verändert wurde. Die Kaffeemühle steht aber auch für den Verbreitung des Kaffees in Europa, die im 16. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Im 17. Jahrhundert entstanden die ersten Kaffeehäuser, gegen Ende des Jahrhunderts auch in Deutschland – das schwarze Gebräu begann seinen bis heute ungebrochenen Siegeszug und setzte sich als weit verbreitetes Genussmittel durch. Im 18. Jahrhundert versuchte Friedrich der Großen gar in Preußen ein staatliches Monopol für den Handel mit Kaffee durchzusetzen. Dies konnte sich wegen des verbreiteten und schlecht zu kontrollierenden Schmuggels nicht halten. Nach rund 20 Jahren wurde die Steuer wieder abgeschafft. Aus dieser Zeit, nach der Abschaffung der Steuer stammt auch das Ausstellungsstück. 

Kaffee wurde das Getränk in Europa – und das obwohl der Genuss von „echtem“ Kaffee lange der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten war. Aber auch, wer sich Bohnenkaffee nicht leisten konnte, wollte nicht auf ein zumindest ähnliches Heißgetränk verzichten. Schon in der Zeit Friedrichs des Großen wurden wegen der hohen Steuern die ersten Ersatzprodukte aus Zichorie und Getreide hergestellt. Solcher Kaffeeersatz zum beispiel aus geröstetem Getreide wird oft auch umgangssprachlich als „Muckefuck“ bezeichnet, ein Begriff der besonders mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden wird. Gerade während des Wirtschaftswunders wurde häufig auch von „echtem Bohnenkaffee“ gesprochen, um deutlich zu machen, wenn man sich etwas Besonderes geleistet hat, im Gegensatz zu den Ersatzprodukten. 

Handbetriebene Kaffeemühlen sind seit Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt, wobei Gerätschaften zum Mahlen von Nahrungsmitteln bereist seit etwas dem vierten Jahrtausend vor Christus benutzt wurden. Mit der Verbreitung des Kaffees stiegen die Verkaufszahlen von Kaffeemühlen sprunghaft an. Einigen Quellen zufolge, wussten die Menschen schon damals, wie wichtig der Mahlgrad des Kaffeepulvers in Bezug auf den Genuss war, so dass schon bei einigen jahrhundertealten Kaffeemühlen der Mahlgrad nach eigenen Wünschen eingestellt werden konnte.

Für viele ist allein schon der Duft nach frisch gemahlenem Kaffee ein Genuss. Manch einer wird noch seine Oma vor sich sehen, wie sie mit der Mühle zwischen den Knien in der Küche sitzt und die Bohnen mahlt – was durchaus auch einiges an Kraft erfordert. Auch wenn es heute Kaffee inzwischen fertig gemahlen zu kaufen gibt, gehört für den Genießer das frische Mahlen der Bohnen nach wie vor dazu – erleichtert wird das durch die elektrischen Mühlen oder Vollautomaten, die den Kaffee unmittelbar vor der Zubereitung mahlen. Aber dennoch, erfreuen sich klassische Kaffeemühlen immer noch großer Beliebtheit – und das nicht nur zu Dekorationszwecken.

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