Urteil in Lüdenscheid

Auf Einbruchstour mit dem kleinen Neffen

LÜDENSCHEID ▪ 23 Jahre jung ist er und schon Vater dreier Kinder. Und er hat nicht nur keine Arbeit und keinen Beruf gelernt, sondern offenbar auch von Vorbildfunktionen keinen blassen Schimmer. Deshalb brach er in der Nacht des 1. Juli mit seinem kleinen Neffen (13) in einen Betrieb Am Lehmberg ein und machte reiche Beute.

Vor Strafrichter Andreas Lyra sitzt der stämmige Mann jedoch ohne seinen Neffen – und zunächst ganz ohne Verteidiger. Rechtsanwalt Heiko Kölz zieht es wieder einmal vor, den Gerichtssaal einige Minütchen später als die übrigen Prozessbeteiligten zu betreten. Als er neben seinem Mandanten Platz genommen und die Staatsanwältin die Anklage verlesen hat, gibt Kölz für den 23-Jährigen eine Erklärung ab – „und zwar dergestalt, dass die Anklagevorwürfe zutreffen“.

Demnach hat der Angeklagte vor dem Einbruch Bier getrunken, „so drei oder vier Sixpacks“, wie er dem Richter erklärt. Der noch strafunmündige Junge – längst ein „guter Bekannter des Jugendamtes“, wie es heißt – steigt durch ein kleines eingedrücktes Fenster in das Lager ein und öffnet seinem Onkel die Tür von innen. Drei nagelneue Schneefräsen, ein Faltmofa, ein sogenanntes Pocketbike, zwei Motorsägen, eine teure Kernbohrmaschine, eine Flex, ein CD-Radio, eine Kaffeemaschine – es ist eine Plackerei, die Beute abzutransportieren. Um es sich leichter zu machen, klauen die beiden gleich noch einen Gabelhubwagen – und rumpeln mit dem über den Asphalt nach Hause. Zwei Touren, und alles ist „gesichert“.

Dass Polizeibeamte Tage später verdächtige Paletten im Keller des Angeklagten finden und hinter dem Haus den Hubwagen und Kaffeemaschine und Radio in der Wohnung, kommentiert Richter Lyra mit einer eher rhetorischen Frage. „Das war ein bisschen ungeschickt, oder?!“ Der Rest des Diebesgutes ist zu diesem Zeitpunkt aber schon verscherbelt, „an einen Bulgaren oder einen Polen, was weiß ich“, so der Angeklagte. Auf schätzungsweise 7000 Euro summiert sich der Schaden, 300 bis 400 Euro hat der Hehler bezahlt.

Sechs Monate auf Bewährung und 80 Sozialstunden, so lautet das Urteil.

Olaf Moos

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