Einbruch: Indizienprozess geht in die zweite Runde

LÜDENSCHEID ▪ Irgendwie waren sich Amtsrichter Thomas Kabus und Verteidiger Bernd Eisenhuth einig: „Es gibt viele Indizien, die für die Täterschaft des Angeklagten sprechen“, fasste der eine den Verhandlungsverlauf vor am Amtsgericht zusammen.

„Es gibt auch viele, die dagegen sprechen“, betonte der andere mit ebensolchem Recht. Am Anfang dieses spannenden Indizienprozesses stand die Beteuerung des 26-jährigen Angeklagten „Ich habe nichts damit zu tun!“ und seine Behauptung, „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen zu sein. Die Zeit waren die frühen Morgenstunden der Nacht zum 21. Oktober 2009, der Tatort das Sportstudio und Fitnesscenter „Body Index“ an der Hochstraße. Fest steht: In jener Nacht wurden dort ein großer LCD-Fernseher, ein Laptop und rund 600 Euro Bargeld gestohlen.

Wie dieser Bruch in jener Nacht aber genau ablief, blieb nach der ersten Verhandlungsrunde im Amtsgericht in Teilen rätselhaft: Der Hauptzeuge des Geschehens, der in einer Wohnung über dem Tatort wohnt, berichtete von den Ereignissen jener Nacht. Um kurz nach Mitternacht habe er gehört, wie ein Fenster an dem Studio eingeschlagen worden sei. Drei Gestalten sah er weglaufen, ohne ihre Gesichter sehen zu können. Als die Polizei ihm später zwei Tatverdächtige präsentierte, glaubte er diese anhand ihrer Kleidung identifizieren zu können. „Kapuzenpullis und Jeanshosen sind die Kleidung einer ganzen Generation“, kommentierte der Richter.

Die Polizei kam erst ins Spiel, als der Zeuge zwei Stunden später erneut verdächtige Geräusche hörte – diesmal innerhalb des Studios. „Zwei bis drei Minuten“ habe er gebraucht, um sich nach unten zu begeben, berichtete der Zeuge. Dort fand er niemanden mehr vor. Eine rätselhaft kurze Zeit, um einen LCD-Fernseher abzutransportieren, der wegen seiner Größe eher vier als zwei Hände gebraucht hätte.

Bei der polizeilichen Fahndung wurden der Angeklagte und ein 23-Jähriger im Loher Wäldchen gestellt und nach kurzer Flucht verhaftet. Diese begründete der 26-Jährige mit einem gerauchten Joint und der dadurch begründeten Angst vor Strafverfolgung. Lediglich ein flüssiges Indiz für seine Täterschaft hatte er bei sich: Die Flaschen mit einem Sportlerdrink, den es nur im „Body Index“ gibt, wollten die Beiden aber im Loher Wäldchen gefunden haben. Ein Schuhsohlenabdruck an dem aufgebrochenen Fenster soll nun kriminaltechnisch mit jenem des Angeklagten verglichen werden, also „neuer Termin von Amts wegen“.

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