Einbrecher gleich in Serie vorm Landgericht

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Im Landgerichtsprozess gegen sechs Angeklagte aus Lüdenscheid, Halver und Kierspe gaben sich am Mittwoch die durch die Wohnungs- und Hauseinbrüche Geschädigten die Klinke des Gerichtssaals in die Hand.

Dabei wurde erneut deutlich, dass die Angeklagten es vor allem auf Schmuck, hochwertige Elektrogeräte und natürlich Bargeld abgesehen hatten.

Im Hinblick auf die „besuchten“ Häuser bewiesen sie dabei zumeist einen guten Riecher, wo möglicherweise etwas zu holen war: Lüdenscheider Geschädigte berichteten von gestohlenen Gegenständen, deren Wert sich pro Einbruch auf Beträge zwischen 25 Euro und gut 30000 Euro summierte. Der kleine Betrag entstammte einem halbgefüllten Kleingärtner-Sparschwein, das die Täter am Hundebrink mitgehen ließen – neben der halben Füllung einer Cola-Flasche, die später „erkennungsdienstlich behandelt wurde“, wie der Zeuge berichtete.

Der Schaden an den Türen des Vereinsheims am Hundebrink schlug mit 780 Euro zu Buche – eine Größenordnung, die auch bei anderen Einbrüchen erreicht wurde. Zuweilen war der Schaden vierstellig. Nicht in allen Fällen wurden die Vermögensschäden von den Versicherungen in voller Höhe übernommen. Äußerst couragiert begegnete eine 89-jährige Rentnerin dem Einbrecher in ihrem Haus an der Südstraße. „Ich bin dem Täter im Flur begegnet.“ Als sie ankündigte, die Polizei verständigen zu wollen, verschwand der Bursche ohne Beute. Als Täter identifizierte sie den heute 22-jährigen Haupttäter aus Kierspe, für den sie trotz einer zerstörten Tür sogar lobende Worte fand: „Er hat sich im Grunde genommen ordentlich verhalten.“ „Abgesehen von dem Umstand, dass er bei Ihnen eingebrochen hat!“ erinnerte der Vorsitzende Richter Marcus Teich angesichts solcher Höflichkeiten an den Grund des Zusammentreffens im Schwurgerichtssaal.

Erheblich weniger zuvorkommend verhielt sich der Haupttäter, als er am 28. Oktober einen 17-Jährigen an der Bushaltestelle Schubertstraße zusammenschlug und ihm ein I-Pad entriss. „Er ging auf mich zu, packte mich, schlug sechs/sieben Mal auf meine Schläfe ein und schmiss mich gegen ein Werbeplakat“, erinnerte sich der 17-Jährige an den brutalen Überfall. „Auf meiner rechten Kopfseite war alles blau.“ Der junge Mann zog daraus seine ganz persönliche Konsequenz: „Ich gehe nicht mehr ohne eine kleine Aluminiumstange aus dem Haus.“

Neben diesen Geschädigten kamen am Mittwoch viele Zeugen aus Halver, wo die Angeklagten ähnlich viele Einbrüche verübten. Einer von ihnen entschuldigte sich dafür bei jenen Zeugen, deren Häuser er zuvor „besucht“ hatte. - thk

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