1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

Ein Rucksack voller Unmut und Wut für den Bundesminister

Erstellt:

Von: Thomas Machatzke

Kommentare

Brücke Wissing Lüdenscheid Bürgerinitiative
Heike Sieling-Laudien war am Donnerstag erst im Rathaus und dann beim Bürgergespräch dabei. Sie schilderte auch ihre persönliche Situation mit 90 Prozent Umsatzeinbruch im Angellädchen eindrücklich. © Cedric Nougrigat

Der Brückentag in Lüdenscheid, der für Dr. Volker Wissing um 10.50 Uhr vor Ort unter der Brücke begonnen hatte, endete gegen 18.35 Uhr im Stadtwerke-Haus. Zuletzt schenkte der Bundesverkehrsminister aus Berlin noch den Vertretern der Wirtschaft für 90 Minuten sein Ohr.

Lüdenscheid – Nach dem Bürgergespräch im Innenhof, bei dem die Stadt Lüdenscheid die gekommenen Gäste mit Bratwurst und Getränken überrascht hatte, war das Treffen mit der Wirtschaft wie schon das Spitzengespräch am Mittag wieder ein nicht öffentliches.

„Wenn wir mal alle Emotionen außen vor lassen“, stellte Andreas Lux, Leiter des SIHK-Geschäftsbereichs Innovation und Umwelt in Hagen, fest, „dann hat er das getan, was man von einem routinierten Politiker in dieser Situation erwarten darf.“ Die Vertreter der Unternehmen, so Lux, hätten noch einmal deutlich gemacht, dass sie beim Neubau der Brücke auf schnellere Prozesse pochen. Auch die Prüfung aller Möglichkeiten bei der Änderung von Gesetzen solle das Ministerium noch einmal angehen – genau zu diesem Punkt hatte Wissing zuvor klar Stellung bezogen. Gesetzesänderungen, die den Neubau beschleunigen könnten, sieht der Minister nicht.

Christoph Brünger, einer der Geschäftsführer der SIHK in Hagen, sah nach den eineinhalb Stunden mit dem Minister Sinn und Zweck des Treffens erfüllt. „Unsere Botschaft ‘Fünf Jahre minus X’ hat er mitgenommen nach Berlin“, sagt Brünger, „und X steht dabei nicht für Monate, sondern für Jahre. Die Berichte der Unternehmen, zum Beispiel zur Mitarbeiterbindung, aber auch den Logistikketten, haben den Minister beeindruckt. Gut, dass er hier gewesen ist.“ Lux bemerkte indes auch: „Es wäre hilfreich gewesen, wenn Dr. Wissing sich früher den Bürgern und der Wirtschaft gestellt und die Situation in Augenschein genommen hätte und nicht erst nach acht Monaten.“

Ein Rucksack voller Unmut und Wut für den Bundesminister

Was bei der Wirtschaft wie vorher beim Bürgergespräch blieb, war die Unzufriedenheit damit, dass es über die Sprengung hinaus keinen verbindlichen Terminplan gibt. „Uns fehlen verlässliche Meilensteine“, stellte Brünger fest. Otto Ersching, Linken-Ratsherr in Lüdenscheid und in der A45-Bürgerinitiative aktiv, hatte beim Bürgergespräch neben der Forderung nach einem Nachtfahrverbot auch auf den Zeitfaktor gedrängt. „Wenn die Brücke fertig ist, ist Lüdenscheid nur noch ein leeres Dorf“, hatte Ersching dem Minister zugerufen. Die Bürgerinitiative war zum Spitzengespräch im Rathaus dazu geladen worden. Heike Sieling-Laudien ergriff auch beim Bürgergespräch das Wort und warf die Frage in den Raum, wie lange eine Bedarfsumleitung eine Bedarfumleitung sein könne. Als Stephan Krenz (Autobahn GmbH) „aus Mangel an Alternativen“ konstatierte: „Vorübergehend heißt dauerhaft...“ – da erreichte der Geräuschpegel im Innenhof den Höchststand.

Wissing nahm das Pfeifkonzert mit nach Berlin, und die Bitte des Arztes Dr. Walter Wortberg, eine Studie zu den Folgen des Lebens an der Lennestraße mit all seiner Schadstoffbelastung zu unterstützen. Und das Plädoyer Guido Schultes für Maut-Stationen für Lkw. Ein Plädoyer gegen den Transitverkehr in der Stadt. Den vom Zielverkehr zu trennen – dies hatte Krenz als praktisch und juristisch schwierig eingeordnet. Für Schulte kein Argument: „Wenn es da juristische Probleme gibt, dann muss man Lösungen dafür finden...“

So nahm Wissing einen schweren Rucksack, prall gefüllt mit dem Unmut und der Wut der Sauerländer, mit auf den Heimweg. Auch die politische Konkurrenz legte nach seinem Besuch nach: „Die Erwartungen an den Minister waren groß, er hätte schon zu einem viel früheren Zeitpunkt in die Region kommen müssen“, stellte der CDU-Bundestagsabgeordnete Florian Müller fest, „den Erwartungen ist der Minister nicht gerecht geworden. Wir haben auf konkrete Termine gehofft. Der Minister sieht sich nicht in der Lage, einen Zeitplan zu nennen, der der Region Perspektive und Planungssicherheit geben würde. Wie der Minister für eine maximale, rechtssichere Beschleunigung sorgen will, konnte er nicht beantworten. Er glaubt, dass die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten ausreichen. Nach acht Monaten Sperrung hat die Region auf konkrete Vorschläge gehofft. Wir sind enttäuscht worden.“

Auch interessant

Kommentare