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Ein letztes Wellness-Bad: Corinna Baier über ihren Glücksmoment im Hospiz

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Von: Willy Finke

Glückmomente Aktion
Corinna Baier aus Lüdenscheid hat bei unserer Glücksmoment-Aktion teilgenommen und einen Kasten Helles Pülleken samt Gläsern gewonnen. © Jona Wiechowski

Die Lüdenscheiderin Corinna Baier arbeitet im Hospiz und kümmert sich um Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Sie ist ganz nah dran und versucht mit ihren Kollegen, alle Wünsche der Sterbenden umzusetzen. Als sie einer schwerkranken Dame ein ausgiebiges Bad ermöglichen konnte, war das für sie ein richtiger Glücksmoment. „Ich hatte Glückstränen in den Augen.“

„Viele denken bei dem Thema Hospiz sofort an dunkle Räume und Trauer“, sagt Baier, „Palliativ Care“-Schwester im Dortmunder Hospiz am Ostpark. „Aber das ist nicht so. Es ist bunt und wir lachen und weinen zusammen.“

Baier ist in der Bezugspflege tätig und hat engen Kontakt mit den Gästen. Diesen habe sie auch mit der Dame gehabt, um die sie sich im März dieses Jahres gekümmert habe. „Sie hatte sehr starke Schmerzen“, erzählt Baier über die Frau, die über 120 Kilogramm gewogen habe. Selbst Morphin, ein Rauschgift, das als Schmerzmittel für sehr starke Schmerzen verwendet wird, habe ihr nur bedingt geholfen.

Die Lüdenscheiderin habe der Frau ein Wellness-Bad vorgeschlagen. Vor knapp zwei Jahren wurde das Dortmunder Hospiz noch umgebaut und mit einer neuen Badewanne ausgestattet – mit Lichtern und einer Sprudelfunktion. Erst habe die Dame, die sich nur noch sehr schlecht habe bewegen können, gezögert. „Nein, ich bin doch viel zu schwer“, habe sie gesagt, dann aber gemeint, dass es schon schön wäre. Baier erinnert sich, wie sie zusammen mit ihrem Kollegen Jan Roßbach die Bade-Aktion gestartet habe. „Wir haben uns viel Zeit genommen.“

Mit einem Lifter hätten sie die Dame behutsam in die Wanne gesetzt, die langsam in das warme Schaumbad mit Bodenbeleuchtung geglitten sei. „Sie schloss ihre Augen und konnte ganz entspannt genießen“, beschreibt Baier. „Immer wieder hörten wir ein wohliges Atmen.“ Sie habe gemeint, dass sie sich das erste Mal wieder leicht fühlen und ihre Beine endlich nicht spüren würde.

Nach gut 20 Minuten hätten Baier und Roßbach gefragt, ob sie aus der Wanne wollte. „Bitte noch ein wenig, es tut so gut“, habe sie geantwortet, worauf die beiden Hospiz-Kollegen den schwachen Körper massiert und immer wieder warmes Wasser zugegeben hätten. „Gut eineinhalb Stunden hat sie gebadet“, erinnert sich Baier.

Wieder im Zimmer, habe sich die Schwerkranke herzlich bedankt und sich an Baier gerichtet: „Es hat mir so gut getan. Ich fühle mich wie im Himmel. Sie sind mein Engel.“

Für die Lüdenscheiderin sei das ein richtiger Glücksmoment gewesen. „Das war Gänsehaut pur“, sagt sie knapp zwei Monate nach dem Ereignis. „Ich hatte Glückstränen in den Augen.“ Die Bade-Aktion habe sie auch mit ihrem Kollegen Jan Roßbach näher zusammengebracht. „Wir haben uns danach in den Armen gelegen.“ Einen Tag später sei die Dame – nach einem letzten Besuch von ihrer Nichte – verstorben.

Diese Erfahrung zeige, wie nah Leben und Tod im Hospiz beieinander sind – gewiss kein Job für jeden. Aber: „Das ist total meins“, sagt Baier. „Für mich ist das ein wahres Geschenk.“ JONA WIECHOWSKI

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