Ein-Euro-Jobs und die Angst vor dem Versagen

Caritas-Sozialarbeiter Thomas Becker hält nichts von der Abschaffung der Ein-Euro-Jobs.

LÜDENSCHEID ▪ Thomas Becker, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Wohnungslose, hält nichts von einer möglichen Abschaffung der Ein-Euro-Jobs. „Die sind besser als sie jetzt gemacht werden.“ Sechs Jahre nach Einführung der Maßnahme sei klar, dass sie sich nicht als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt bewährt hätten, meint NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider.

„Wir haben gute Erfahrungen mit den Ein-Euro-Jobbern gemacht“, betont Becker dagegen. Es gehe um die Betreuung von Menschen, die über einen langen Zeitraum keiner Arbeit nachgegangen seien und daher mit erheblichen Vermittlungshemmnissen zu kämpfen hätten. „Langzeitarbeitslosigkeit bedeutet Isolation. Die Betroffenen sind in ihrem Lebensumfeld geradezu eingekerkert. Die Langzeitarbeitslosigkeit wird zu einem krank machenden Faktor. Suchterkrankungen, Überschuldung, Trennungsschmerz, eine fehlende Ausbildung – dies alles führt dazu, dass sie keine Perspektiven mehr für sich sehen.“ Dabei gehe es darum, ihnen zunächst wieder eine Tagesstruktur zu verschaffen, ihre erlahmten Körperkräfte zu mobilisieren und sie aus der Lethargie zu holen. „Zeit ist für sie zum Stress geworden. Sie haben große Versagensängste.“

Die Caritas arbeite auf diesem Gebiet gezielt mit der Arge zusammen. Von dort werden Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und mehr als 50 Jahren vermittelt, die gerade mit diesen Problemen zu kämpfen haben. „Wir sind als Caritas eine Selbstverpflichtung gegenüber der Arge eingegangen, sie mit gemeinnützigen Tätigkeiten zu beschäftigen. Aus dieser Situation heraus sind auch schon mehrere Ausbildungen in der Altenpflege hervorgegangen.“ Thomas Becker und weitere zwei Kollegen leisten dabei erhebliche Betreuungsarbeit. „Wir stehen auch vor deren Haustür und bohren nach, wenn sie nicht kommen.“

Rund 300 Menschen sind seit 2005 über Ein-Euro-Jobs bei der Caritas beschäftigt gewesen. „Durch unsere Betreuung erhalten wir ihnen ein Stück Würde. Ohne die Ein-Euro-Jobs wären sie erst gar nicht aktiviert worden und man verliert sie dann vollkommen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare