Eierkauf mit Galgenhumor: Zehn mit, zehn ohne Dioxin

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Mit einem Hinweisschild informieren Doreen Luda und Willy Hörnemann am Stand Eckholt über die Unbedenklichkeit ihrer Eier: „Die Hühner aus unserem bäuerlichen Familienbetrieb sind nicht mit dioxinhaltigem Futter in Berührung gekommen.“ ▪

LÜDENSCHEID ▪ Willy Hörnemann sieht die Dioxin-Krise auch als Chance: Am Ende sieht er gute Chancen, dass die Hersteller unbedenklicher Ware, sprich Eier und Geflügel, Umsatzzuwächse verzeichnen werden. Manche Kunden seien bereits geständig gewesen, berichtet Hörnemann und zitiert einen von ihnen: „Sonst gehe ich schon mal in den Supermarkt, doch jetzt komme ich doch lieber zum Markt.“

Tatsächlich drängeln sich die Kunden bereits wieder vor dem Stand Eckholt auf dem Wochenmarkt und reagieren auf die Krise mit ungebrochenem Appetit auf Eier und einer gehörigen Portion Galgenhumor: „Zehn Eier mit, zehn Eier ohne Dioxin“, bestellt ein Herr und präzisiert, als wäre das ungefähr auf einer Ebene mit der Vergiftung durch Dioxine: „Jeweils fünf braune und fünf weiße.“

Willy Hörnemann äußert derweil Mitgefühl für die betroffenen Bauern, die überhaupt nichts dafür könnten, dass ihre Höfe gesperrt werden mussten. „Die wissen überhaupt nicht, wie es jetzt weitergehen soll.“ Mit siebenstelligen Summen hätten sie ihre Produktionsbetriebe hochgezogen, doch nun stünden gnadenlosen Verbindlichkeiten bei den Banken plötzlich keine Einnahmen mehr entgegen.

Sandra Starke verkauft an ihrem Stand neben Käsespezialitäten ebenfalls Eier. Auch bei ihr unterrichtet ein Info-Blatt über die Unbedenklichlichkeit des verwendeten Legehennenfutters aus selbsterzeugtem Getreide, dem keine industriell gefertigten Fette zugemischt werden. „Viele Kunden sind verunsichert“, sagt sie, „aber wenn man ihnen das in Ruhe erklärt, verstehen sie das auch.“ Doch sie äußert auch Kritik am Verhalten der Verbraucher im Allgemeinen: „Die wollen alles immer billiger haben.“ Und das sei der Qualität der erzeugten Produkte auf Dauer abträglich.

Deutlich mehr Eier verkauft Gudrun Hirth am Stand der Heesfelder Mühle. Doch sie macht sich wenig Illusionen über die Dauerhaftigkeit dieses Sinneswandels bei den Verbrauchern: „Das Traurige ist, dass viele Kunden in der nächsten Woche wieder umschwenken“ – auf Billigst-Eier. ▪ thk

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