Ehrennadel der Stadt für Paul Bosmans

Paul Bosmans (links Ehefrau Marielle) erhielt von Bürgermeister Dieter Dzewas die Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid.

LÜDENSCHEID ▪ Mit sperrigen Worten wie Integration hat er’s nicht so. In seinen 38 Lüdenscheider Jahren hatte Paul Bosmans (67) viel zu viel zu tun, um sich über den Grad seiner Verwurzelung in dieser Stadt Gedanken zu machen. am Mittwoch kehrt der Flame mit seiner Frau Marielle in die erste Heimat zurück – ohne die zweite aufzugeben. Denn wie könnte man Europa besser leben als mit dem Blick in zwei Richtungen. Die erste kurze Rückkehr steht bereits im Terminkalender. Doch Lebensmittelpunkt wird künftig in Sint-Agatha-Rode sein – um die Enkel aufwachsen zu sehen.

Als der Belgier 1973 mit seinem Regiment, den 2. Jagers te Paard, seiner Marielle und den beiden Kindern Ann und Katrien in die Bergstadt kam, sollte das nur für drei Jahre sein. Doch die Zeit verging, Marielle Bosmans-Claesen fing 1975 als Französischlehrerin an der belgischen Mittelschule an und war als Laienschauspielerin bei der Theatergruppe „Staubjacke“ aktiv. 1976 kam Tochter Valérie zur Welt und 1980 Sohn Bart. Als Paul Bosmans 1982 die Stelle als Leiter der belgischen Kommandantur und Standortverwaltung angeboten wurde, sagte er gerne zu – und kam damit seiner Versetzung zuvor.

„Dann begann das öffentliche Leben“, sagt er rückblickend. Die Pfadfinder meldeten sich beim Standortoffizier auf der Suche nach einem neuen Gruppenleiter. Der, selbst ehemaliger Pfadfinder, sagte zu und wurde in der Folge Vorsitzender des Jugendrates der belgischen Streitkräfte in der Bundesrepublik. Die Aufgabenfülle wuchs. Ab 1982 übernahm er seinen Part in der Geschäftsführung der Deutsch-Belgischen Gesellschaft, organisierte Studienreisen, Picknicks, Stadtfestteilnahmen und Sportturniere. Tiefen Einblick in die deutsche Seele verschafften ihm Stammtischsitzungen – zuletzt bei den „Kerzenbläsern“ –, die „Freunde der Heckrinder“ und das Schützenwesen. 1986 kam er in den LSG-Hofstaat von Dietrich Hohage: „Eine einmalige Erfahrung.“

Jürgen Dietrich holte Paul Bosmans im selben Jahr zu Rotary, ein Schritt von beachtlicher Tragweite, „eine Bereicherung unseres Lebens“, wie sich herausstellen sollte. Der Belgier in Lüdenscheid belebte die Kontakte zu den Rotariern in Leuven und machte ein gemeinsames Projekt, die Unterstützung des Mary Theresa Hospitals in Dodi Papase/Ghana, über die Jahre zur eigenen Herzensangelegenheit. Seine Marielle habe ihn sehr unterstützt, ihm den Rücken frei gehalten, sagt er. Die rotarische Idee überzeugte auch sie: Sie wurde 1993 Gründungspräsidentin von Inner Wheel. Auf Distriktebene hatte er auch die Aufgabe, Clubgründungen zu initiieren. Neun waren es, zuletzt die des gemischten Clubs Lüdenscheid-Zeppelin.

Paul Bosmans war nach der Auflösung der belgischen Garnison WKL-Geschäftsführer, arbeitete danach bei der Firma Alberts. Er hat viele Freundschaften geschlossen, die deutsche Gesellschaft aus vielen Blickwinkeln kennengelernt. „Wir werden einiges vermissen“, sagen die Abwanderer. Zeit, Erinnerungen nachzuhängen, dürften sie kaum haben, dagegen spricht das Bosmans’sche Naturell. Der letzte Tag vorm Umzug war vollgepackt bis zum Schluss: Nach Verleihung der Ehrennadel musste Lüdenscheids Vorzeige-Belgier schnell weiter – zur letzten Stadtführung. „Auch das hat mir immer Spaß gemacht.“

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