Mit der Schließung kalt erwischt

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Ein Gerüst stützt das Mauerwerk von innen gegen den Druck der Wassermassen ab.

Lüdenscheid - Still und starr ruht der Teich. Die Tore fest verschlossen, nichts rührt sich im Schmiedemuseum Bremecker Hammer. Schon seit Monaten geschlossen, „Gefahr im Verzug“.

Von Ulf Schwager

Das Wasser des Hammerteichs hatte begonnen, die Außenmauer zum Einsturz zu bringen. Da hieß es „Schlüssel abgeben“ für die Ehrenamtlichen um Dietmar Conradt: „Wenn ich da vorbei fahre und sehe den Hammer, versuche ich ganz schnell weg zu kucken.“ So geht es auch seinen Kollegen. Beim LN-Termin steigt er seit Monaten erstmals am Hammer wieder aus seinem Fahrzeug. Von der Straßenseite her gut erkennbar: Das Erdreich vor der defekten Mauer wurde ausgebaggert, zur Wasserseite hin im Halbkreis ein Damm aufgeschüttet und verfestigt. Eine rutschige Umrundung des Zaunes über umgestürzte Bäume, dichten Jungwald und dichtes Brombeergestrüpp zeigt auf, wie nahe das Gebäude am Einsturz war. „Da wäre ich meines Lebens nicht mehr froh geworden, wenn das Ding im laufenden Betrieb eingestürzt und dabei Menschen zu Schaden gekommen wären,“ entfährt es Dietmar Conradt.

Bei den regelmäßigen Treffen des Kerns der Ehrenamtlichen „verschaffen wir uns gegenseitig Luft, wird natürlich auch schon einmal geschimpft, wann denn endlich wieder offen ist.“ Da kommt hinzu, dass Conradt und Kollegen die Zeit nutzen, um an Schmiedetreffen teilzunehmen. In Berlin, Zell und anderswo. „Alle fragen, wann es im Hammer wieder weiter geht, schließlich hat er national wie international mittlerweile einen sehr guten Ruf“, so Conradt. Sein Pech: „Ich kann da nicht rein, und mein gesamtes persönliches Werkzeug ist da drin.“ Geht einigen seiner Kollen auch so. Er hat noch einen Schmiedeplatz zu Hause, aber „das ganze Drumherum fehlt“.

Ein Gerüst stützt das Mauerwerk von innen gegen den Druck der Wassermassen ab.

Besuchern Rede und Antwort stehen, Kindern das Schmieden zeigen, mit Kollegen fachsimpeln oder auch mit Nicht-Schmieden des Fördervereins eine Bratwurst essen und ein halbes Stündchen abhängen. Große Sorge bereitet der Mannschaft des Hammers der Zustand der Einrichtung. „Wir wurden kalt erwischt, konnten überhaupt nichts winterfest machen.“ Der an den Wasserrädern offen liegende Teil des Kugellagers ist davon ebenso betroffen wie sämtliche Maschinen. „Wir haben zwei Jahre lang geackert, die Köpfe der Wasserhämmer aufgearbeitet, geschafft, dass alles läuft – und dann kam der große Hammer mit der Schließung.“ Vierzig eingeladenen Schmieden abzusagen, hieß es da.

In den Teich gefallen ist auch das für 2015 geplante internationale Schmiedetreffen. „Natürlich würden wir gerne ein wenig anschieben und auf das Tempo drücken, wenn es denn ginge“, räumt Conradt unumwunden ein. Andererseits weiß er, dass eine seriöse Kostenermittlung auch Zeit braucht.

Unterkriegen lassen sich die Ehrenamtlichen des Bremecker Hammers aber nicht: „Wir halten den Hammer hoch und schmieden auswärts bei Schmiedetreffen, aber auch auf traditionellen Märkten in Kleidung des Bremecker Hammers.“ Aber auf den leblosen Hammer sehen – das kann er nicht.

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