Alt-Chefredakteur im Alter von 80 Jahren verstorben

Ehemaliger LN-Chefredakteur ist tot: Trauer um H.-Jürgen Rittinghaus

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H. Jürgen Rittinghaus an seinem 75. Geburtstag im Jahr 2014. Dieses Foto machte seinerzeit Rolf Haase von der Meinerzhagener Zeitung, der ebenfalls in dieser Woche verstorben ist. Wir trauern mit Rolf Haases Freunden und seiner Familie um einen liebenswerten Kollegen.

Lüdenscheid / Kierspe – Es gibt Momente, die einen selbst in diesen turbulenten Tagen innehalten lassen. Der Anruf am Donnerstag gehörte dazu: „Jürgen Rittinghaus ist heute gestorben!“

Wir Redakteure des Märkischen Zeitungsverlages müssen Abschied nehmen von unserem langjährigen, von uns verehrten Chefredakteur.

„Was hätte ‘ri.’ jetzt dazu gesagt? Was hätte er geschrieben?“ Wenn man sich nach mehr als 20 Jahren noch voller Zuneigung an seinen ehemaligen Chef erinnert und ihn in Gedanken um Rat fragt, dann muss er nicht nur ein großartiger Journalist, sondern auch ein ganz besonderer Mensch gewesen sein.

Und das war H. Jürgen Rittinghaus. Er war ein Vierteljahrhundert gemeinsam mit dem charismatischen Verlagsleiter Hans Medernach das Gesicht der Lüdenscheider Nachrichten in der Stadt. Sein Rat war gefragt, sein Urteil hatte Gewicht.

Was war denn nun das Besondere an diesem Menschen Jürgen Rittinghaus? Das Besondere war, dass er eben nichts „Besonderes“ aus sich machte. Selbst für Understatement war er zu bodenständig. Ein echter Westfale eben.

Er führte die Redaktion nicht mit Druck, sondern mit Offenheit und Bestimmtheit. Der regelmäßige Gang durch die Redaktionen des Hauses, mit persönlichem Handschlag für jeden, war ein schönes Ritual; auch die jungen Kollegen, die wie die beiden Autoren dieses Nachrufs ihre Laufbahn mit diesem Chefredakteur begannen, waren ihm nahe.

Jürgen Rittinghaus war einer von uns und doch ganz eindeutig der Anführer. Ihn umgab eine natürliche Autorität, die sich längst nicht nur aus seinen journalistischen Fähigkeiten ableitete. Er wurde schon mit 34 Jahren Chefredakteur und führte sein ebenfalls großteils noch junges Team souverän und mit einer gehörigen Portion Humor.

Er arbeitete mit uns bis in die Nacht. Er feierte bisweilen auch mit uns. Das schweißt zusammen; das vergisst man nie.

Und er vergaß die Kollegen nicht, selbst wenn sie den Raum Lüdenscheid längst verlassen hatte. Hin und wieder telefonierte man miteinander, hin und wieder traf man sich, auch in seinem Ruhestand. Und nie vermittelte der „Alte“ den Eindruck, früher sei alles besser gewesen. Er ließ uns Nachfolger machen, in wohlwollender Verbundenheit. Auch dafür werden wir immer dankbar sein.

Sehr früh zeichnete sich ab, dass Jürgen Rittinghaus Journalist werden würde. Der Lehre als Schriftsetzer in seiner Heimatstadt Kierspe folgten ein Volontariat und erste Redakteursjahre bei der Meinerzhagener Zeitung. 1964 wechselte er in die Lokalredaktion der Lüdenscheider Nachrichten.

Bald darauf zog es Jürgen Rittinghaus „auf die andere Seite des Schreibtischs“. In Bonn arbeitete er als Pressereferent der nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten und später als Sprecher des FDP-Landesvorstands in Düsseldorf. Seine seinerzeit geknüpften Kontakte zu den „Großen“ der Politikwelt sollten den Lüdenscheider Nachrichten später noch mehr als einmal nützlich sein.

Zurück in Lüdenscheid wurde Jürgen Rittinghaus zunächst Chef vom Dienst und im Jahr 1973 schließlich Chefredakteur. Ein Chefredakteur, dem es gelang, viele prominente Bundespolitiker zu Interviews nach Lüdenscheid zu holen und der sich als Leiter zahlloser Diskussionen auch aktiv ins gesellschaftliche Leben der Stadt einbrachte.

Jürgen Rittinghaus ist auch die Gründung des Vereins „Glücksbringer“ zu verdanken, der sich noch heute für Bedürftige in Lüdenscheid einsetzt.

Nun ist Jürgen Rittinghaus im Alter von 80 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein!“ (1. Mose 12,2) heißt es in der Traueranzeige seiner Familie. „ri.“ war ein Segen. Für uns alle.

Die Redakteurinnen und Redakteure des Märkischen Zeitungsverlages trauern mit seiner Frau Inge, seinen Kindern und seinen Enkelkindern. Wir werden unseren alten Chef nie vergessen!

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