Ehefrau, sieben Kinder, Drogensucht, Gefängnis

Lüdenscheid - Die fahle gelbstichige Haut und die Schatten unter den Augen sprechen eine bedrückend deutliche Sprache. Drei bis vier Gramm Heroin pro Tag fordern ihr Opfer.

Gesundheitlich ist der 37-Jährige ein Wrack, gesellschaftlich im Abseits. Seit Dezember 2011 sitzt der Mann im Gefängnis. Ein halbes Jahr zuvor hat er seine Familie verlassen – Frau und sieben Kinder, zwischen zwei und 16 Jahre alt – und ist in die städtische Notunterkunft an der Helenenhöhe gezogen. Seit 1995 sammelt er Vorstrafen, zwölf finden sich im Bundeszentralregister. Es ist eine bunte Mischung aus Verkehrsverstößen, Diebstählen und immer wieder Drogenerwerb oder -handel und Hehlerei.

Beispielhaft zitiert der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsrichter Thomas Kabus, aus einem ein Jahr alten Urteil. Da fing sich der Arbeitslose zwei Jahre ohne Bewährung. Er hatte am Staberg einen Mercedes geklaut. Daran schraubte er Kennzeichen, die er von einem Auto auf dem Parkplatz des Bergstadt-Gymnasiums erbeutet hatte, beging an der Aral-Station an der Werdohler Landstraße einen Tankbetrug, fuhr auf der Knapper Straße eine Frau über den Haufen und beging Fahrerflucht. Das alles, garniert mit einer Reihe von Ladendiebstählen, war der vorläufige Tiefpunkt seiner Laufbahn.

Dass der drogensüchtige Familienvater vor seiner Inhaftierung noch ein paar Armbanduhren bei einem Juwelier im Stern-Center einsteckte und in wilder Flucht aus dem Laden rannte – und dass er dem Verkäufer zu allem Überfluss mit dem Satz „Ich bring’ dich um“ einen gehörigen Schrecken einjagte, das ist erst jetzt im Nachgang angeklagt. Doch die Prozessbeteiligten sind sich einig: Diese Kleinigkeiten fallen angesichts der bereits erfolgten Verurteilung kaum ins Gewicht. Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwältin und stellt das Verfahren ein. Der Gefangene bedankt sich artig und wird abgeführt.

Olaf Moos

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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