Wo lade ich auf?

E-Mobile: Hohe Anschaffungspreise, wenig Lademöglichkeiten

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Der Umstieg auf E-Autos geschieht nur zögerlich. Das liegt nicht nur an den hohen Anschaffungspreisen, sondern auch an den Lademöglichkeiten. Vor allem für Mieter stellt sich die Frage: Wo lade ich die Batterie auf?

Lüdenscheid. Wer in Zukunft elektrisch unterwegs sein will, hat noch einige Hürden zu überwinden. Die Anschaffungspreise für E-Autos sind trotz staatlicher Zuschüsse noch happig, die Reichweiten hingegen begrenzt. Eine Frage dürfte darüber hinaus vor allem Mieter beschäftigen: Wo lade ich auf?

Für Eigenheimbesitzer ist die Sache mit der Tankstelle vergleichsweise schnell gelöst. Ein Ladepunkt in der heimischen Garage oder im Carport ist die Schnittstelle zwischen dem Ladekabelstecker des Elektroautos und dem Stromnetz. Die dafür installierte Wallbox wird in der Regel wie ein Elektroherd an eine Stark- beziehungsweise Dreiphasenwechselstrom-Leitung (400 V) mit 16 oder 32 Ampere angeschlossen. Ist der Ladepunkt vom Fachmann eingerichtet, kann das Tanken beginnen.

 Beim Wohnen zur Miete gestaltet sich der Vorgang deutlich schwieriger – egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Ein E-Auto ergibt im Zusammenhang mit einer Mietwohnung jedenfalls nur dann Sinn, wenn der Besitzer einen gesicherten Zugang zu einer brauchbaren Steckdose hat, über die sein Verbrauch abgerechnet werden kann. Eine solche „Komfortzone“ ist bislang in den seltensten Fällen vorhanden – auch wegen geringer Nachfrage. 

Christoph Loos, Vorstand der Lüdenscheider Wohnstätten (Lüwo), sieht im Moment kein konkretes Verlangen aus dem Kreis der Mieter. Mit mehr als 2100 Wohneinheiten ist die Lüwo der größte Wohnungsanbieter der Stadt. „Wir haben das Thema aber selbstverständlich auf dem Schirm.“ Sollte das Interesse aufkeimen, dann könne eine Lösung nur im Zusammenspiel mit der Stadt und dem Energieversorger Enervie erfolgen.

Gründliche Vorbereitungen nötig

 Bei einer größeren Zahl von Stromabnehmern müsse die Infrastruktur entsprechend vorbereitet und ausgebaut werden. „Sonst bekommen wir erhebliche Probleme. Wenn es konkret wird, müssen wir gemeinsam sehen, wie sich die Wünsche der Mieter umsetzen lassen“, sagte Loos. Ein solches Projekt müsse solide geplant werden. Denn die vorhandene Installation berge unkalkulierbare Risiken. Ein vollständiger Ladevorgang über eine normale Haushaltssteckdose dauert rund zehn Stunden. Aber das ist noch das geringste Problem. Nach Angaben von Experten sind Schuko-Stecker nicht darauf ausgelegt, über längere Zeit hohe Leistungen zu übertragen. Sicherungen könnten reihenweise rausfliegen, theoretisch sind sogar Brände möglich.

 Mit dieser Problematik stehen Mieter nicht alleine: Auch Eigentümer dürfen in Gemeinschaftsanlagen nicht auf eigene Faust handeln. Sie sind von der Zustimmung der Miteigentümer abhängig. Das Verlegen von Stromkabeln oder die Installation einer Wallbox, zum Beispiel in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses oder im gemeinsamen Garagenhof einer Reihenhaussiedlung, bedarf der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft.

Vier öffentliche Ladesäulen

 Die vorhandene Netzinfrastruktur ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung bei der Umrüstung auf E-Mobilität. Öffentliche Ladestationen bieten sich als Alternative nur bedingt an. Sie sind in der Regel zu weit weg und wer möchte schon seinen teuren Wagen über Nacht irgendwo auf einem dunklen Parkplatz abstellen? 

25 Ladesäulen hat der regionale Energieversorger Enervie bislang über sein Netzgebiet verteilt. Vier öffentliche Zapfsäulen stehen in Lüdenscheid: bei den Stadtwerken an der Lennestraße, am Bahnhof, am Kreishaus sowie am Raithelplatz an den Berufskollegs. „Wir sind dabei, die Infrastruktur zügig auszubauen“, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster. Ab dem kommenden Frühjahr könne man dem Privatkunden möglicherweise schon eine Paketlösung von der Netzprüfung über die Wallbox bis zur Installation anbieten. Das und die ersten Anfragen von Wohnungsbaugesellschaften bezüglich einer umfangreichen Lademöglichkeit für die Mieter zeige: „Langsam nimmt die Elektromobilität Fahrt auf.“

 Dabei dürfte die Betonung auf „langsam“ liegen: Über Lüdenscheids Straßen „stromern“ zum Stichtag 1. Dezember 53 Fahrzeuge (MK-weit: 247), hinzu kommen 48 Plug-in-Hybride in der Stadt (MK: 309). Zum Stichtag 30. November waren im Märkischen Kreis insgesamt 319 153 Fahrzeuge zugelassen.

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