E-Bike-Boom: Stadtplaner erwarten mehr Radler

Sie sehen fast so aus wie normale Fahrräder, doch die E-Bikes haben es in sich – und dürften für mehr Radler sorgen.

LÜDENSCHEID - Durch Lüdenscheid zu radeln, geht mächtig in die Beine; ein Umstand, der neben dem Wetter bisher dafür sorgte, dass die Bergstadt weitaus weniger Radfahrer zählt als vergleichbare Städte im Flachland. Doch das könnte sich mit der laufenden Markteinführung von Elektrorädern (E-Bikes) rasch und nachhaltig ändern, erklären Lüdenscheids Verkehrsplaner in einem Bericht an den Planungsausschuss.

Auch sie haben längst registriert, dass E-Bikes im Kommen sind. Und die helfen auch konditionsschwächeren Radfahrern über Steigungen hinweg, die sonst unüberwindlich wären. Das könne für eine kräftige Zunahme des Radverkehrs auch in Gegenden sorgen, in denen der Drahtesel heute noch unter Artenschutz steht. Das veränderte Freizeitverhalten einer älter werdenden Bevölkerung tue ein Übriges dazu.

Christian Hayer, Verkehrsplaner im Rathaus, spricht sich indes noch nicht für einen raschen und teuren Ausbau des Radwegenetzes aus, wie er auf LN-Anfrage betonte: „Wir müssen sehen, wie sich das bei uns entwickelt. Sollte es den vorhergesagten Boom aber geben, sollten wir zumindest bei Straßenausbauten etwa mit Markierungen stärker auf den Radverkehr eingehen, wie es an der Herscheider Landstraße gerade geschehen ist.“

Im Gegensatz zu Elektro-Autos sorgen E-Bikes nicht für große Schlagzeilen, tatsächlich aber dürften sie sich viel früher durchsetzen, meint Hayer. So liegen laut Bericht die Anschaffungskosten für ein E-Auto bei satten 40 000 Euro, hinzu komme das dünne Netz an Ladestationen, deren Betrieb unwirtschaftlich und für Laternenparker keine Lösung sei. Beheben ließen sich diese Probleme eines Tages mit der „D-Nanostruktur“, die kabelfreies Aufladen in Minuten durch Induktionschleifen ermöglichen soll. Aktuell aber strebe der Bund bei E-Autos einen Marktanteil von gerade zwei Prozent bis 2020 an.

Bei E-Bikes könnte die Entwicklung rasanter gehen, was auch Sicherheitsfragen aufwirft, wie die Polizei auf LN-Anfrage bestätigte: E-Bikes sind führerscheinfrei und bis zu 45 km/h schnell, was leicht zum Unterschätzen des Tempos durch Radler wie Autofahrer führen könne. Auch dieser Entwicklung müssten die Verkehrsplaner begegnen.

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