Dura zieht ins Postgebäude in der Innenstadt - alle Einzelheiten

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Über drei Etagen richtet die Dura Automotive Systems GmbH (Düsseldorf) im Postgebäude am Rathausplatz ein „Technical & Customer Center“ ein. 80 bis 90 Beschäftigte werden dort tätig sein.

Lüdenscheid - Die Dura Automotive Systems GmbH wird im Mai im Postgebäude am Rathausplatz ein „Technical & Customer Center“ in Betrieb nehmen. 80 bis 90 Mitarbeiter sollen dort beschäftigt werden. Unterdessen dauern die Rechtsstreitigkeiten am Dura-Standort in Plettenberg an.

Somit bleibt mal abzuwarten, ob die geplante Eröffnungsfeier mit perlendem Sekt, feinen Lachs-Häppchen und Lobeshymnen zum Wirtschaftsstandort über die Bühne gehen wird. Der Name Dura steht nach den Erfahrungen in Plettenberg nicht für gepflegtes Betriebsklima, auch wenn die Münchner Unternehmensberatung Brunswick Group ausdrücklich betont, dass die Automotive Systems GmbH mit Hauptsitz in Düsseldorf mit den Plettenberger Gesellschaften nicht verbunden ist. 

Über der Post entstehe auf drei Etagen ein reines „Technical & Customer Center“, sagte Heinz-Joachim Schöttes, Director Brunswick Group. Nach seinen Worten wird in Lüdenscheid ein völlig neuer Standort aufgebaut, der mit den Betrieben in Plettenberg und Selbecke nichts zu tun habe. Die sollen Ende April geschlossen werden. Die Automotive Systems GmbH sei mit den beiden Plettenberger Gesellschaften Body & Glass sowie Leisten & Blenden auch konzernrechtlich nicht verbunden.

Die Firmendatenbank „Wer zu Wem“ weist für Düsseldorf als Gesellschafter Patriarch Partners (USA) aus. Seinen Stammsitz hat das Unternehmen in Rochester Hills (Michigan). Chefin von Dura in Plettenberg ist Lynn Tilton, eine der erfolgreichsten Geschäftsfrauen der Vereinigten Staaten. Die extravagante Unternehmerin ist wiederum CEO (geschäftsführendes Vorstandsmitglied) von Patriarch Partners.

Keine Produktion

Ungeachtet der personellen Verquickungen kommen aus der Münchner Unternehmensberatung optimistische Aussagen. Der neue Standort in Lüdenscheid werde vollständig neu aufgebaut und mit neu angeschaffter Einrichtung ausgestattet. „Der Standort wird sich von seiner Art und seinen Aufgaben wesentlich von den Betrieben in Plettenberg und Kirchhundem-Selbecke unterscheiden. 

Dies kommt bereits darin zum Ausdruck, dass es in Lüdenscheid – anders als in Plettenberg – keine unmittelbar angeschlossene Produktion geben wird.“ Vielmehr gehe ein reines „Technical & Customer Center“ an den Start. Was dort die künftigen Dura-Mitarbeiter über drei Etagen auf 2300 Quadratmetern genau machen, war auch auf Nachfrage nicht zu erfahren. Für eine Produktion sei das Postgebäude aber weder geeignet noch zugelassen. Bei positiver Geschäftsentwicklung sei eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl durchaus möglich.

Dura pachtet Groß-Parkplatz in der City

Für Torsten Kasubke, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, kommt der Hinweis auf konzernrechtliche Eigenständigkeit nicht überraschend. Denn bei einem Betriebsübergang müsse auch eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter erfolgen. „Es ist schon unerhört, wie versucht wird, das deutsche Schutzrecht auszuhebeln.“ Er vermutet, dass es in Lüdenscheid unter anderem um die technische Kundenbetreuung der europäischen Dura-Werke geht. 

Die Standorte in Plettenberg und Selbecke werden wegen angeblich schlechter Ergebnisse geschlossen. Mehr als 700 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze. Nach Angaben von Dura liegen die über Jahre aufgelaufenen Verluste bei mehr als 160 Millionen Euro. Die seit 2015 ausgebliebenen Neuaufträge sowie ein Großbrand in Plettenberg, der die vollständige Zerstörung wichtiger Produktionsanlagen zur Folge hatte, machten nach Angaben von Dura eine Fortführung des Betriebs unmöglich.

In die zweite Instanz

Vor Gericht haben die Klagen mehrerer Mitarbeiter keinen Erfolg gehabt. Das Arbeitsgericht Iserlohn wies Mitte Januar die Kündigungsschutzklagen von Dura-Mitarbeitern ab. Nach Angaben der Firmenleitung hätten sich die Mitarbeiter des Plettenberger Standortes bei der Klage gegen ihre Kündigung im Wesentlichen auf angebliche Verfahrens- und Formfehler in den Kündigungen berufen und einen Betriebsübergang behauptet. Auch die zugleich erhobenen Klagen auf Zahlung einer Abfindung, die die Arbeitnehmer auf angebliche Verfahrensmängel gestützt hätten, wurden durch das Arbeitsgericht abgewiesen.

Bereits am 10. Januar hatte das Arbeitsgericht Siegen entsprechende Kündigungsschutzklagen von Dura-Mitarbeitern des Betriebes in Selbecke abgewiesen und auch die Wirksamkeit dieser Kündigungen bestätigt. Alleine aus der Gesellschaft Leisten & Blenden seien mehr als 400 Klagen gegen Dura anhängig. „Wir gehen in die zweite Instanz vor das Landesarbeitsgericht in Hamm“, gibt sich Kasubke weiterhin kämpferisch. 

Für DGB-Rechtsschutzsekretär Michael Mey ist die konzernrechtliche Trennung der Gesellschaften, wie sie öffentlich erklärt wird, zweifelhaft: „Knapp 100 gekündigte, gezielt ausgesuchte Mitarbeiter der Firmen Dura Leisten & Blenden und Body & Glass haben bereits das Angebot erhalten, in Lüdenscheid zu arbeiten. Zu unveränderten Arbeitsbedingungen wie zuvor, und unter Anrechnung der Beschäftigungszeit, die sie im bisherigen Dura-Betrieb zurückgelegt haben.“ Damit stelle sich die Frage, wie dieser Umstand rechtlich zu würdigen sei.

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