Lüdenscheider in Ludwigsburg in U-Haft

Duo will Geldautomaten sprengen: Mann aus MK geschnappt, Komplize erschossen

Immer wieder kommt es vor, dass Räuber Geldautomaten in die Luft sprengen.
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Symbolbild

Ein 29-Jähriger aus Lüdenscheid sitzt unter schwerem Verdacht in Baden-Württemberg in Untersuchungshaft. Die Polizei hat den Mann im 2600-Einwohner-Städtchen Erligheim südwestlich von Heilbronn geschnappt, als er im Vorraum einer Sparkassen-Filiale gerade einen Geldautomaten in die Luft sprengen wollte. Der Komplize des Lüdenscheiders wurde am Tatort von Beamten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) erschossen.

Lüdenscheid - Wie die Heilbronner Stimme berichtet, waren die beiden Täter nach Erkenntnissen der Ermittler in der Nacht zum 12. November mit einem VW Transporter bei der Sparkasse vorgefahren. Den Wagen hatten sie demnach zuvor in Erligheim gestohlen.

Komplize des Mannes aus Lüdenscheid erschossen

Doch es gab Zeugenhinweise, deshalb hatte sich eine Polizeieinheit in der Nähe des Tatortes postiert. Gegen 2 Uhr machten sich die Verdächtigen an dem Geldautomaten zu schaffen. Als die Sprengung unmittelbar bevorstand, griff das MEK zu.

Der Mann im Vorraum der Bank ging dem Zeitungsbericht zufolge mit einem 35 Zentimeter langen Schraubendreher auf die Beamten los. Daraufhin eröffneten sie das Feuer und trafen den Angreifer. Weiter heißt es: „Obwohl die Einsatzkräfte sofort versuchten, den Schwerverletzten wiederzubeleben, starb er noch vor Ort.“

Der Lüdenscheider suchte sein Heil in der Flucht. Polizisten nahmen ihn jedoch nur Minuten später in der Nähe der Bank vorläufig fest. Der nach Behördenangaben mehrfach vorbestrafte Mann türkischer Abstammung wurde laut Bericht der Heilbronner Stimme am Freitag, 13. November, einem Haftrichter vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Europaweite Fahndung

Bei dem mutmaßlichen Komplizen, der bei dem MEK-Einsatz sein Leben verlor, handelt es sich nach den Angaben um einen 58 Jahre alten Mann aus Litauen. Nach dem Mann wurde laut Zeitungsbericht europaweit mit Haftbefehlen gefahndet. Er soll für mehrere Sprengungen von Geldautomaten und Einbrüche verantwortlich sein.

Im Bericht der Heilbronner Stimme ist die Rede davon, dass das Duo offenbar für weitere ähnliche Taten im Landkreis Ludwigsburg im Fokus der Ermittler standen. „Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kommen die beiden Tatverdächtigen auch für die im Oktober verübte Sprengung eines Geldautomaten in Besigheim infrage. Es wird auch geprüft, ob weitere Taten im süddeutschen Raum und im Bundesgebiet den beiden Männern zuzurechnen sind – auch für versuchte oder erfolgreiche Sprengungen von Geldautomaten im Landkreis Heilbronn könnten sie verantwortlich sein. Allein im laufenden Jahr wurden Automaten in den Brackenheimer Ortsteilen Meimsheim und Stockheim gesprengt, in Langenbrettach und in Heilbronn blieb es bei Versuchen.“

Offenbar hat sich der Lüdenscheider, der seit dem 13. November in Ludwigsburg in Untersuchungshaft sitzt, nach bisherigen Erkenntnissen der dortigen Ermittler weiterer Sprengungen von Geldautomaten schuldig gemacht – vorzugsweise in der ländlichen Region südlich von Heilbronn. Zwar haben unbekannte Täter auch im Märkischen Kreis wiederholt Bankomaten in die Luft gejagt, um an den Inhalt zu gelangen. Wegen solcher Taten wurde der 29-Jährige hier jedoch nicht gesucht. Das erklärt der Pressesprecher der Hagener Staatsanwaltschaft, Dr. Gerhard Pauli. Demnach ist der 29-Jährige wegen des Verdachts der Körperverletzung angeklagt. Der Prozess vor dem Strafrichter ist auf den 9. Februar 2021 terminiert. Nach Lage der Dinge muss die Hauptverhandlung aber wohl verschoben werden.

Eine Polizeisprecherin erklärte gegenüber der Heilbronner Redaktion: „ Die Methode, Automaten zu sprengen, wird zurzeit häufig angewendet.“ In der Region seien mehrere Fälle bekannt. Ein Sprecher der Polizei Heilbronn ergänzt: „Solche Täter handeln professionell. Es liegt auf der Hand, dass sie nicht nur für die eine geplante Tat in Erligheim verantwortlich sind.“ Wie die Zusammenhänge aussehen, werde noch untersucht. Es gebe mehrere Gruppen mit dieser Methode.

Dass der 29-Jährige, den die Polizei nach der versuchten Automatensprengung gefasst hat, aus Lüdenscheid stammt, wird im Bericht der Heilbronner Stimme nicht erwähnt. Doch der Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, Peter Widenhorn, bestätigt im Gespräch mit der LN-Redaktion: „Er ist in Lüdenscheid gemeldet. Lüdenscheid war auch sein letzter bekannter Wohnort.“ Dass der Mann seine Heimat wiedersieht, kann möglicherweise noch einige Jahre dauern.

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