Dumm gelaufen mit „Wash-Wash“-Trick

LÜDENSCHEID ▪ Von der „Wash-Wash“-Methode haben die drei Angeklagten noch nie was gehört. Sonst wären sie sicher nicht auf die beiden Afrikaner reingefallen. Die haben zweien der drei Lüdenscheider die Geschichte von der wunderbaren Geldvermehrung aufgetischt. Der dritte ist darauf eingestiegen. Und statt „chemisch reaktivierter“ Euro-Scheine illegal in Umlauf bringen zu können, war das Trio plötzlich um 35 000 Euro geprellt.

Die „unfassbare Geschichte“, wie Strafverteidigerin Stephanie Rader es nennt, beginnt in einem Düsseldorfer Hotel. Da sprechen zwei Männer, mutmaßlich aus dem Tschad, das Brüderpaar an. Ob sie nicht an einem guten Geschäft interessiert seien. Später, im Hotelzimmer, packen die beiden Afrikaner ihre Ausrüstung aus – und beginnen, schwarze Papierstücke in „echtes Geld“ zu verwandeln.

„Die haben unseren Geldschein mit irgendeinem Pulver und einer Flüssigkeit beträufelt“, erinnert sich der ältere der Brüder. Dann kam ein angeblich unbrauchbar gemachter und zur Vernichtung bestimmter schwarzer Schein unter den Zehner und ein weiterer obendrauf. „Dann packten die das in Alufolie ein und pressten die Scheine mit dem Schuh zusammen.“ Als der Geld-Magier Minuten später das Päckchen öffnet, kommen tatsächlich drei „echte“ Euroscheine zum Vorschein. „So was hatten wir im Leben noch nicht gesehen. Ich war begeistert“, sagt der jüngere Bruder.

Also fädeln sie das ganz dicke Geschäft ein, verabreden sich mit den Afrikanern in Paris – und beginnen, Geld aufzutreiben. Ein Kumpel (41), ebenfalls Lüdenscheider, steuert 15 000 Euro bei. Er versetzt extra ein Auto dafür – obwohl ihm das „ein bisschen schleierhaft vorkam“, wie er vor Gericht sagt. Der jüngere Bruder fährt nach Paris, 35 000 Euro im Gepäck. Die Afrikaner panschen, stapeln und mischen Scheine, tricksen, packen sie fest ein und geben den Lüdenscheidern die Anweisung: „Erst in Deutschland aufmachen!“ Statt der Angeklagten öffnen Beamte des Landeskriminalamtes die Päckchen, als sie den Möchtegern-Geldfälscher in Schwelm angehalten haben. Das LKA kommt zu dem Ergebnis: schwarzes Papier, sonst nichts.

Es ist der Allgemeinheit kein Schaden entstanden, nur den dreien selbst. Trotzdem, sie hatten vor, Falschgeld einzuführen und in Umlauf zu bringen. Das ahndete das Schöffengericht jetzt mit Freiheitsstrafen zwischen 18 und 21 Monaten mit Bewährung. Ihnen kommt Paragraph 23, Absatz 3 des Strafgesetzbuches zugute. Darin ist von „grobem Unverstand“ die Rede.

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