Prozess am Landgericht

Düstere Szenerie im MK: Messerattacke in einer verlassenen Fabrik

Symbolbild Messer
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Ein Mann aus Lüdenscheid soll mit einem Messer auf seinen Kumpel hergefallen sein. (Symbolbild)

Ein 34 Jahre alter Mann aus Lüdenscheid muss sich vor dem Landgericht Hagen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihm droht eine lange Freiheitsstrafe, möglicherweise auch die Unterbringung in einer Psychiatrie.

Lüdenscheid - Es ist ein Blick auf eine düstere Szenerie. Auf drei Männer, die in einer verlassenen Fabrik hausen und sich mit „Speed“, „Gras“ und Alkohol zudröhnen. Auf sozialen Niedergang und eine offensichtliche psychische Erkrankung eines 34-jährigen Lüdenscheiders.

Sieben Anklagen gegen ihn liegen vor. Die Gravierendste: Am 16. August soll er in der Notbehausung mit einem Messer über seinen Kumpel (35) hergefallen sein. Tatmotiv: „Ich habe Stimmen gehört.“ Der Vorsitzende der 9. großen Strafkammer des Hagener Landgerichts, Richter Christian Hoppe, fragt: „Wollten Sie ihn töten?“ Der Angeklagte antwortet: „Ja!“

Der Mitbewohner übersteht die Attacke knapp, sein Leben wird in einer Notoperation gerettet. Er trägt offenbar schwer an dem Trauma. Auch körperlich hat er sich noch nicht vollständig erholt. Der Mann wird aus der Justizvollzugsanstalt Dortmund in den Gerichtssaal gebracht.

Angeklagter aus Lüdenscheid hat „Stimmen im Kopf“

Der Zeuge berichtet, der Angeklagte habe ihn zuvor schon einmal mit einem Gummiknüppel angegriffen. „Das habe ich ihm verziehen.“ Nach der Messerattacke aber sieht’s anders aus. „Ich habe einmal kurz mit ihm gesprochen, da musste ich gleich weinen.“ Oft wache er nachts im Knast auf, „dann raste ich völlig aus“.

Der Mann neben Strafverteidiger Frank Peter Rüggebrecht erzählt über die Stimmen in seinem Kopf. Sie klängen „gedämpft, als ob jemand im Nebenraum spricht“. Und als ob sie seinen beiden Bekannten aus der alten Fabrik gehörten. „Sie sagen ‘Opfer’ zu mir – und ‘Wir f...en deine Frau’.“

Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen. „Sie hat sich von mir getrennt, als ich zwei Jahre in Haft saß.“ Nach der Entlassung habe er versucht, sich umzubringen, mit einem Messer schlitzt er sich den Arm auf. Der Drogenkonsum danach steigt rapide. „Ich habe jeden Tag zehn Gramm ‘Pep’ genommen, zwischendurch Marihuana.“ Schon mit 13 habe er Joints und Alkohol konsumiert, mit 15 Amphetamin.

„Er hat mir erzählt, dass er seine Frau schwer vermisst“

Die Stimmen meldeten sich zuletzt immer häufiger. Auch jetzt, in Untersuchungshaft. „Manchmal hören sie sich an wie meine Ex-Frau.“ Im August aber hörte er seine Mitbewohner, sagt er – wie sie stöhnen und über ihn lästern. Am Tag des blutigen Angriffs wollte er „Informationen, wer dahinter steckt“, erklärt er dem Richter. Der fragt: „Ist Ihnen klar, dass die Stimmen nicht real sind?“ Der Angeklagte sagt: „Ja, das ist mir mittlerweile klar.“

Der dritte Mann, der in der Fabrik untergekrochen war, hatte mehr Glück als der 35-Jährige. Auch er ist in Haft, aber als Freigänger folgt er brav der Vorladung in den Zeugenstand. „Ich war an dem Tag nicht da“, erinnert er sich. Doch er wusste um die Nöte des Angeklagten. „Er hat mir erzählt, dass er seine Frau schwer vermisst.“

Für die Wahnvorstellungen seines Bekannten hat er nur eine einzige Erklärung: „Verfolgungswahn. Er dachte, dass wir in den Büschen sitzen und immer ‘Opfer’ hinter ihm herrufen.“ Alle paar Tage habe der Kumpel ihm das vorgeworfen. „Und es wurde immer mehr, je mehr er konsumierte.“ Die Kammer muss darüber befinden, ob der Angeklagte ins Gefängnis, in eine Entziehungsanstalt oder in die Psychiatrie gehört.

Der Prozess wird am 6. April um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

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