Dudas‘ Wahlkampf: Rotgrün gegen schwarze Raubritter

Gut 60 SPD-Mitglieder wählten nach Dudas‘ Rede aus ihren Reihen die Delegierten für die Nominierung der Wahlkreis-Kandidaten, die heute Abend in Meinerzhagen stattfindet.

LÜDENSCHEID ▪ Dass die Parteigänger Schilder mit dem Namen ihren Kandidaten hochhalten, kennt man bisher vorwiegend aus US-Wahlkämpfen.

Doch ein Hauch davon durchzog am Dienstagabend auch das Kulturhaus, wo sich gut 60 Mitglieder der SPD-Ortsvereine sinnigerweise im Roten Saal versammelt hatten, um die erste Wahlkampfrede von Gordan Dudas für die Landtagswahl am 13. Mai zu hören. Am Ende eines durchkomponierten Vortrags gab es stehenden Beifall – und die Schilder, auf deren Rückseite stand: „Einer für alle.“

„Versprechen gehalten!“ Diese Worte wählte Dudas am Schluss jedes Abschnitts – ob es um abgeschaffte Studiengebühren in NRW ging, das beitragsfreie dritte Kita-Jahr, den Schulkonsens der Sekundarschule oder die Wiedereinführung des Landespersonalvertretungsgesetzes. „Die rotgrüne Minderheitsregierung hat in knapp zwei Jahren mehr Vorhaben umgesetzt als andere in einer vollen Legislatur. Und wir kämpfen erneut für Rotgrün“, schloss Dudas eine Große Koalition in Düsseldorf klar aus.

Aus ihrem 23-Prozent-Desaster bei der letzten Bundestagswahl hätten die Sozialdemokraten gelernt, sagte Dudas, der bis zur Auflösung des Landtags dort seit 2010 erstmals Sitz und Stimme hatte. „Wir müssen die Menschen mitnehmen!“ Jetzt sei das Vertrauen wieder da, doch warnte Dudas davor, guten Umfragewerten zu sehr zu vertrauen. „Das sind nur Zahlen. Was gilt, ist das Ergebnis am 13. Mai.“ Sollte es dann reichen, werde man „weiter Chancengleichheit für Kinder schaffen – und Fachkräfte statt Sozialhilfeempfänger“.

Für ihn stehe der Wahlkreis auch künftig im Mittelpunkt der Arbeit, erklärte der designierte Kandidat, der bei der Nominierung heute in Meinerzhagen keine parteiinterne Konkurrenz hat. Dudas führte den Einsatz für die Denkfabrik als Leuchtturmprojekt ebenso an wie für „Oben an der Volme“, gleichfalls ein Regionale-Vorhaben. Sein Steckenpferd dabei sei die Reaktivierung der Volme-Agger-Bahn, die seinen Vorgänger – er nannte Bernd Schulte (CDU) nicht beim Namen – nicht gekümmert habe. „Ich will dagegen vollenden, was Gerd Wirth begonnen hat: Im Jahr 2015 sollen wieder Züge bis nach Köln fahren!“

Auch künftig wolle er samstags auf dem Markt stehen, Vereine besuchen „oder in Betrieben zusammen mit den Leuten arbeiten gehen“, versprach Dudas eine basisnahe Politik. Und: „Ein Zurückhalten von U3-Geldern oder das Nichtweiterleiten von Grunderwerbssteuern wie unter den schwarzen Raubrittern“ der Regierung Rüttgers dürfe sich nicht wiederholen.

Wie CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen, „der sich alle Türen offen hält, um diese Wahl nicht zu gewinnen“, erhielt auch der Lüdenscheider Konkurrent ums Direktmandat einen Seitenhieb. In Anspielung auf Oliver Fröhlings Satz, wonach erst am Ende der Schlacht die Toten gezählt werden, rief Dudas: „Wir führen keine Kriege mit Schlachten oder Toten. Unser Wahlkampf ist fair. Wir wollen, was Willy Brandt wollte – versöhnen statt spalten!“

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