Lüdenscheider Firma im Visier

Dubiose Geschäfte mit Krebspatienten im Ausland

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Symbolbild

Lüdenscheid -  Im Zusammenhang mit dubiosen Vermittlungen von ausländischen Krebspatienten in deutsche Kliniken ist auch die in Lüdenscheid ansässige Medical Travel GmbH ins Zwielicht geraten. Das vermeldet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe.

In der Geschichte geht es um den boomenden Markt von Ausländern, die sich in Deutschland behandeln lassen wollen und dabei die Dienste von Agenturen in Anspruch nehmen. Jedoch geraten sie laut „Spiegel“ immer wieder in die Hände von Vermittlern und gierigen Ärzten, die Behandlungen überteuert abrechnen oder horrende Provisionen verlangen. Dabei profitieren Agenturen und Ärzte davon, dass die Patienten – in diesem Fall Russen – der ärztlichen Versorgung in ihrer Heimat nicht trauen und sich in Deutschland eine professionellere und heilendere Behandlung erhoffen.

Laut „Spiegel“ litt ein achtjähriges Mädchen aus Joschkar-Ola an einem schnell fortschreitenden Lymphdrüsenkrebs. Die Eltern kamen übers Internet auf die Medical Travel GmbH, die an der Heedfelder Straße firmiert. „Unser Unternehmen ist stolz auf eine umfassende Datenbank der deutschen Krankenhäuser und Ärzte und bietet unseren internationalen medizinischen Service für Patienten aus der ganzen Welt“, heißt es unter anderem auf der Homepage.

Laut „Spiegel“ schlug der Agent zunächst eine Behandlung in Münster vor, die Eltern konnten allerdings eine Vorkasse von 183 600 Euro nicht aufbringen, sondern unter Zurhilfenahme eines Kredits über 80.000 Euro maximal 100.000 Euro. Medical Travel habe daraufhin ein neues Angebot über 100.000 Euro gemacht, diesmal im Zentrum der Kinderonkologie Uni-Klinik Düsseldorf. Das Mädchen sei im September 2008 dort als geheilt entlassen worden.

Den Eltern sei die Höhe der Behandlungskosten allerdings als ungewöhnlich hoch erschienen, zumal die Ärzte nicht hätten operieren müssen. Der Vater bestand daher auf einer genauen Rechnung. Die Klinik erklärte, sie habe die Rechnung an Medical Travel geschickt, die Agentur wollte diese aber laut „Spiegel“ nicht offenlegen. Der Klage auf Auskunft wurde nach zwei Jahren vor dem Landgericht Hagen recht gegeben. Nun stellte sich heraus, dass die Behandlung nur knapp 40 000 Euro gekostet hatte. Den Rest – 60.000 Euro – kassierte die Agentur.

Nach letztem Stand, so das Nachrichtenmagazin, muss die Agentur das Geld plus 10 000 Euro Zinsen an die russische Familie zurückbezahlen. Die Agentur dürfe nur 15 Prozent der Behandlungskosten für sich berechnen. Das Urteil des Landgerichts Hagen ist nach Angaben des „Spiegel“ noch nicht rechtskräftig. Bis Redaktionsschluss äußerte sich die Medical Travel GmbH trotz eines angekündigten Rückrufs nicht zu dem Fall.

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