Druckvorlagen im Virtuellen Museum

Lüdenscheider Firma druckt Cover für Schallplatten internationaler Stars

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Für Kinder gab es ganze Märchenserien auf Platte, mit gedruckten Covern aus Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Dass Produkte aus Lüdenscheid in der ganzen Welt vertreten sind, dafür stehen auch die neuesten Ausstellungsstücke im Virtuellen Museum: Es handelt sich um Druckvorlagen aus dem Druckhaus Maack, die im Besitz der Museen sind. In dem Fall sind es Vorlagen für die Darstellung der Geschichten des Struwwelpeters und von Hänsel und Gretel. Allerdings sind es keine Zeichnungen für ein Bilderbuch, sondern für Plattenhüllen aus dem Hause Polydor.

Die Firma Maack beziehungsweise die Kunstdruckerei Carl von der Linnepe, die später im Druckhaus Maack aufging, produzierte seit den 1950er-Jahren Hüllen für Schallplatten. In diesem Fall handelt es sich um einen Teil einer ganzen Reihe von Singles mit Märchen für Kinder.

Viele namhafte Plattenfirmen und damit auch etliche Weltstars erhielten Hüllen – später auch Cover genannt – aus Lüdenscheid. Auch in der aktuellen Ausstellung im Geschichtsmuseum „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“ stammen einige der ausgestellten Plattencover aus Lüdenscheider Produktion. Von Pink Floyd über David Bowie bis hin zu Peter Schilling spiegelt sich die Faszination des Weltraums und der Raumfahrt in der Musik – und in Covern aus Lüdenscheid. 

Einige Druckvorlagen gelangten um das Jahr 2000 in den Bestand der Museen. In dem Jahr wurde das Lüdenscheider Druckhaus Maack von der Topac, der 1984 gegründeten Gesellschaft für Tonträgerverpackung mbH, einem Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe, gekauft. Drei Jahre später zog sich die Firma komplett aus Lüdenscheid zurück. In Gütersloh produziert Topac bis heute unter anderem auch wieder Plattencover – und verzeichnet im Zuge des Vinyl-Revivals in diesem Bereich deutliche Zuwachsraten.

Die Idee, Hüllen, damals noch für Schellackplatten, farbig und mit individuellen Motiven zu gestalten, kam 1940 auf. Für Singles und Langspielplatten waren solche Hüllen dann Standard. Für Singles wurde noch unterschieden zwischen Lochcovern, die in der Mitte den Blick auf den Label-Aufdruck der Platte freiließen, und Bildcovern. Für LPs sind die Hüllen in der Regel aus Karton. Es gibt sie sowohl in einfacher Form als auch zum Aufklappen – entweder für Doppelalben oder für das Unterbringen von weiteren Informationen.

Originalcover für "Sticky Fingers" in Lüdenscheid gedruckt

Viele Musiker und Plattenfirmen übertrafen sich in der Gestaltung ihrer Cover und ließen sie mitunter von namhaften Künstlern entwerfen. Schließlich trug die Gestaltung nicht unwesentlich zum Marketingeffekt bei. Viele Alben sind nicht zuletzt deswegen bis heute begehrte Sammlerstücke. Von solchen Exemplaren gibt es allerdings keine Vorlagen im Besitz der Museen – auch wenn nicht wenige Hüllen bis heute weltberühmter Alben der Pop- und Rockgeschichte bei Carl von der Linnepe beziehungsweise im Druckhaus Maack gefertigt wurden. 

Dabei waren die Lüdenscheider vor allem für Spezialanfertigungen bekannt – so produzierten sie zum Beispiel auch 1971 das legendäre Cover mit echtem Reißverschluss für „Sticky Fingers“ von den Rolling Stones. Gestaltet worden war dieses von Andy Warhol. Der Pop-Art-Künstler war nur einer von vielen, die seit den 1950er-Jahren auch das streng vorgegebene Format der Schallplattenhüllen von 31,5 mal 31,5 Zentimetern für sich entdeckt hatten, so dass viele Cover regelrechte Kunstwerke sind.

Eine Sammlung von Druckvorlagen ist im Besitz der Museen. 

In Lüdenscheid wurde bis in die frühen 1980er für alle großen Plattenfirmen gedruckt, von EMI über Polydor bis Teldec. In den besten Zeiten wurden jährlich rund 150 Tonnen Karton für rund zehn Millionen LPs bedruckt. Die Liste weist viele prominente Namen auf – neben den Stones sind das unter anderem die Beatles, Beach Boys, Led Zeppelin, Deep Purple oder Pink Floyd. Auch wenn die Druckerei im Zusammenhang mit einer LP kaum genannt wird – auf dem Covern ist sie in der Regel wenigstens durch ein dezentes „Printed by...” zu erkennen.

Mit Einzug der CD Anfang der 1980er-Jahre sank nicht nur die Nachfrage nach Schallplatten ab, auch die Bedeutung des Covers nahm ab. Als Topac im Jahr 2000 das Lüdenscheider Druckhaus Maack kaufte, begann langsam die Renaissance der Schallplatte und die Produktion von Covern wurde wieder hochgefahren. Vor rund zehn Jahren nahm das Revival dann wieder richtig Fahrt auf. Topac gehört heute – wieder – zu den führenden Herstellern von Plattencovern und legt manche „alte“ Hülle neu auf.

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