Prozess: Druckerpatrone wird immer teurer

Lüdenscheid - Die „teuerste Druckerpatrone der Stadtgeschichte“ und der „honorige Kaufmann“ werden die Öffentlichkeit und die Strafgerichtsbarkeit möglicherweise bis in den Sommer hinein beschäftigen.

Nach der Vertagung des Berufungsverfahrens durch Richterin Claudia Oedinghofen – der Angeklagte (70) war bekanntlich nach eigenen Worten krank und deshalb abwesend – liegt immer noch kein Attest über einen Krankenhausaufenthalt vor.

Stattdessen aber haben sich nach LN-Informationen Zeugen bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, die den angeblichen Patienten kreuzfidel in seinem Garten im Oeneking gesehen haben wollen – und zwar einen Tag, nachdem Verteidiger Dr. Wilhelm Krekeler vom Gerichtsflur aus telefonisch eine schriftliche Bestätigung des Hamburger Krankenhauses angefordert hatte.

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Weil die Richterin die Berufung des mutmaßlichen Ladendiebs trotz dessen unentschuldigten Fehlens und entgegen der Bestimmung der Strafprozessordnung nicht verworfen hat, wird sich das Verfahren also weiter in die Länge ziehen. Denn nach der Ankündigung Oedinghofens muss nun auch eine weitere Hauptverhandlung stattfinden, bestätigt der Sprecher des Landgerichts, Jan Schulte, im LN-Gespräch. Außergerichtlich könne die Berufung nicht verworfen werden. „Das gebietet die Fairness gegenüber dem Angeklagten.“

Sollte der Kaufmann dem nächsten Termin ebenfalls fernbleiben, etwa um sich die Schmach des öffentlichen Auftritts zu ersparen, kann aber trotzdem verhandelt werden. Denn auch der Staatsanwalt hatte bekanntlich Berufung gegen das Urteil aus erster Instanz eingelegt. Laut Strafprozessordnung kann „eine Berufung der Staatsanwaltschaft auch ohne den Angeklagten verhandelt werden“.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn im Mai 2014 mutmaßlich falsche Angaben zu seinem Einkommen gemacht. Sollte sich der Verdacht erhärten, muss die Höhe der Tagessätze, zu denen er verurteilt wurde, deutlich angehoben werden.

von Olaf Moos

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