Druck fördert Hirndoping im Job

Stress im Job führt immer häufiger dazu, dass Beschäftigte versuchen, den Druck durch Hirndoping auszugleichen.

Lüdenscheid - „Höher, schneller, weiter“ – Maßstäbe, die nicht nur im Sport, sondern häufig auch im Berufsleben gelten. Den Druck, der dadurch ausgelöst wird, versuchen Arbeitnehmer mitunter durch „Hirndoping“ auszugleichen. Laut DAK-Gesundheitsreport nutzen 546 000 Beschäftigte in NRW mindestens einmal verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein und Stress abzubauen. Das sind sechs Prozent der Arbeitnehmer, zwei Prozent mehr als 2008. Die Dunkelziffer liegt bei knapp 11 Prozent. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt Dirk Heppe, DAK-Servicezentrumsleiter in Lüdenscheid.

Dr. Reiner Quakulinski-Berninghoff, Leiter des Arbeitsmedizinischen Dienstes in lüdenscheid, hebt hervor, dass es sich dabei um die Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente handelt, die medizinisch nicht notwendig sind. „Es handelt sich also um einen Missbrauch von Medikamenten, die eigentlich nur zur Therapie bestimmter Krankheiten zugelassen sind.“ Der Experte listet zum Beispiel Erkrankungen wie ADHS, Narkolepsie, Alzheimer/Demenz, Depressionen oder Bluthochdruck auf. Der erhoffte Nutzen beim Hirndoping ist die Verbesserung der Gedächtnisleistung, erhöhte Wachheit, Stimmungaufhellung oder der Abbau von Stress, Nervosität und Lampenfieber. „Die Wirkungen sind allerdings zweifelhaft. Bei einer regelmäßigen Einnahme kann es im Extremfall auch zu einer Veränderung der Persönlichkeit kommen.“ Bei Bestellungen im Internet bestehe die Gefahr von Fälschungen und damit ein erhöhtes Risiko.

Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren wird laut der Studie, die auf der Befragung von bundesweit 5000 DAK-Mitgliedern fußt, am meisten im Job gedopt. Dabei betreiben schlechter qualifizierte Erwerbstätige eher Hirndoping als ausgebildete. Auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz – Stichworte: befristete Verträge und Leiharbeiter – haben ein erhöhtes Doping-Risiko. Hochqualifizierte Arbeitnehmer weisen die geringste Quote auf.

„Die Entspannung per Pille muss nicht sein. Es gibt gute Alternativen wie Bewegung, ausgeglichene Ernährung und Gesundheitsvorsorge.“

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