Drogensüchtiger Dieb muss ins Gefängnis

LÜDENSCHEID ▪ Er konnte es einfach nicht lassen: Immer wieder hat ein 21-Jähriger in Lüdenscheid, Kierspe und Meinerzhagen Autos aufgebrochen und Geld, Kameras & Co. geklaut. Selbst eine Bewährungsstrafe und ein Arrest konnten den drogensüchtigen Mann nicht stoppen. Jetzt muss er für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis – und eine Therapie machen.

Stattlich war die Liste der Einbrüche, die ein inzwischen 21-jähriger Kiersper in der Zeit von Februar bis Juni 2011 in Lüdenscheid, Kierspe und Meinerzhagen verübte. Unter Ziffer 1 bis 16 las die Staatsanwältin die Vergehen vor. Zumeist waren es Einbrüche in abgestellte Fahrzeuge, bei denen der junge Mann unter anderem Bargeld, Digitalkameras, ein Fernglas, eine Kettensäge, ein Navigationsgerät und Kleidung erbeutete. Mehrfach stahl der 21-Jährige auch Lebensmittel aus nicht verschlossenen Autos, doch auch Cola im Wert von 7,49 Euro reizte ihn im Getränkemarkt zum Zugreifen. Ein BMX-Rad, das er aus einem Fahrradständer entwendete, brachte es auf einen Wert von 250 Euro.

Der junge Mann musste sich am Mittwoch wegen dieser Anschuldigungen vor einem Jugendschöffengericht in Lüdenscheid verantworten. Der Vorwurf lautete auf Bandenkriminalität, da er in den meisten Fällen mit einem Mittäter unterwegs gewesen war.

„Sie sind ja schon gerichtserfahren“, begrüßte Richter Wolfram Arnold den Angeklagten mit Blick auf die letzte Verurteilung. Am 18. Juli war der junge Mann wegen Diebstahls in elf Fällen zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. So glimpflich konnte der 21-Jährige nach der Verhandlung der neuen Fälle nicht davonkommen, obwohl er alle Taten ohne Umschweife gestand. Denn er hatte, wie Richter Arnold sagte, die Serie vom letzten Mal fortgesetzt und sich zudem allen sozialpädagogischen Bemühungen um seine Person hartnäckig widersetzt. So war sowohl der Kontakt zur Bewährungshelferin als auch zur Jugendgerichtshilfe abgebrochen. Und auch die ihm aufgebrummten Sozialstunden hatte der Angeklagte nicht abgeleistet. Ein vierwöchiger Beugearrest in der Justizvollzugsanstalt Remscheid hatte nicht den gewünschten Erfolg. „Es ist nicht schön gewesen“, erinnerte sich der Angeklagte – wenn auch nur auf Nachfrage.

„Ist das jetzt ein Hilfeschrei? Ich möchte in die JVA?“ Anders war das Verhalten des Angeklagten kaum zu deuten. Selbst sein Verteidiger bat lediglich darum, dass sein marihuanasüchtiger Mandant eine Drogentherapie aus der Haft heraus machen dürfe: „Wir müssen die Ursache bekämpfen. Das ist typische Beschaffungskriminalität.“

Das Gericht folgte schließlich dem Antrag der Staatsanwältin, erhörte den „Hilfeschrei“ des jungen Mannes und verurteilte den notorischen Dieb zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung.

Das nächste Verfahren wartet allerdings bereits auf ihn. Weil er am 28. Oktober auf einem Friedhof zwei Euro-Pfand-Münzen aus Gießkannen entwendete, muss er sich zum ersten Mal nach Erwachsenenstrafrecht verantworten. ▪ Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare