Drogenprozess am Landgericht Hagen

Drogenkuriere haben Angst vor der Mafia: Ermittler gibt seltene Einblicke

31,2 Kilogramm Marihuana soll ein 51-jähriger Mann verkauft haben und dabei fast 350.000 Euro Gewinn gemacht haben.
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Symbolfoto

Im Prozess gegen die drei Männer, die unter anderem wegen Drogenhandels angeklagt sind, schlägt die Stunde der Polizei. Im Zeugenstand berichten Rauschgiftfahnder, wie sie den Verdächtigen auf die Schliche gekommen sind – und offenbaren einen tiefen Blick in ihre Ermittlungsarbeit. Dabei geht es um „verwanzte“ Autos, abgehörte Telefonate und die Dienste sogenannter Vertrauenspersonen – geheime Informanten aus der Szene.

Lüdenscheid - Solch eine Informantin nämlich, sie wird bei der Kripo als „VP (Vertrauensperson) Rebecca“ geführt, hat die Ermittler demnach überhaupt erst auf die Spur der Männer gebracht. Ein 50-jähriger „VP-Führer“ der Kriminalpolizei sagt, er habe „die Quelle“ mindestens elfmal vernommen. Bis klar war, dass der 45-jährige Autovermieter als Kopf der Bande gilt. Das Räderwerk aus kriminalistischer Taktik und Technik beginnt zu laufen.

Der Verteidiger des mutmaßlichen Chefs des Drogenrings, Rechtsanwalt Baris Gültekin aus Essen, fragt den VP-Führer: „Wird die Vertrauensperson entlohnt?“ Der Zeuge: „Ja!“ Gültekin: „Mit wie viel?“ Antwort: „Dazu kann ich keine Angaben machen.“

Der Fall

Zwei Lüdenscheider und ein Plettenberger sind wegen vielfacher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Dabei geht es um den Schmuggel harter Drogen aus den Niederlanden, deren Weiterverkauf sowie den Anbau einer großen Cannabis-Plantage in einem ehemaligen Baumarkt. Zwei der drei Angeklagten sollen außerdem einen Mann schwer misshandelt und ausgeraubt haben.

Unabhängig von der Höhe des Honorars für die Quelle erweisen sich deren Hinweise für die Fahnder als lohnend. Der Ermittlungsführer, ein 45-jähriger Kriminalhauptkommissar, erinnert sich an den Auftakt im Juni 2019. Monatelang laufen verdeckte Maßnahmen. Telefone werden angezapft, konspirative Gespräche aufgezeichnet, Verdächtige werden observiert, Wohnungen und Firmenräume durchsucht. Bei einer der Aktionen treten Spezialisten in Aktion und installieren heimlich in mehreren Wagen des Autoverleihers Geräte zur „Fahrzeuginnenraum-Überwachung“.

So sind die Ermittler quasi dabei, als der Jüngste der Angeklagten – ein 21-Jähriger aus Plettenberg, der als „Läufer“ fungiert – im September 2019 mit zwei Männern in einem Auto seines Auftraggebers eine Shisha-Bar in der Siegener Innenstadt ansteuert, an Bord fünf Kilogramm Kokain in fünf Portionen. Die Polzisten verfolgen, wie sich die Insassen über „Koka“ unterhalten und zwischendurch mit dem Autovermieter telefonieren, der sie zu der richtigen Adresse lotst. Im Wagen ist von „Mafia“ die Rede und von der Sorge, dass man „heil aus der Geschichte raus kommt“, berichtet der Fahnder. Die Stimmung unter den Männern sei „angespannt“ gewesen.

Es geht um weitere Kurierfahrten, unter anderem in die Niederlande: nach Enschede und nach Rotterdam. Die Kripo belauscht Gespräche und kriegt auch hier mit, wie die „Läufer“ mit dem 45-Jährigen in Lüdenscheid telefonieren – und wie sie von der holländischen Polizei gestoppt und mit einem Pfund Heroin festgenommen werden. Die Männer werden schnell wieder freigelassen und des Landes verwiesen.

Und plötzlich, so der Zeuge, sei der 55-Jährige Ex-Häftling „ins Spiel“ gekommen – und der Verdacht, er betreibe eine Cannabis-Plantage im Keller. Auch seine Telefonate mit dem Mietwagenunternehmer werden abgehört, bis sich der Verdacht erhärtet hat. An der Adresse eines ehemaligen Baumarktes in der Innenstadt wird die Polizei fündig: 429 illegale Pflanzen werden sichergestellt und „jede Menge Equipment“, wie ein Kollege des Ermittlungsführers sagt. „Wie in einer guten Gärtnerei.“

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