Zur Drogenproduktion: Illegale Einfuhr von zermatschten Tabletten

LÜDENSCHEID - Internationale Verflechtungen, Pharmazeutik und Drogenkriminalität – das ist die Bandbreite eines Falles, mit dem sich Fahnder und Staatsanwälte jahrelang herumschlugen. Und am Freitag befassten sich auch die Richter des Schöffengerichts damit.

Das aber taten sie nur eineinhalb Stunden lang, da stand das Urteil gegen den 31-jährigen Koch fest: ein Jahr und vier Monate mit Bewährung wegen unerlaubten Handels mit Grundstoffen in zwei Fällen.

Aus den Grundstoffen von Medikamenten soll Rauschgift werden. Das war früher recht einfach. Aus dem Arzneimittel Rhinopront extrahierten chemisch versierte Verbrecher den Stoff Ephedrin, der laut Gericht auf dem illegalen Dopingmarkt zum Beispiel bei Bodybuildern sehr beliebt ist. Aber nicht nur bei denen. Aus dem Ephedrin gewannen die Täter nämlich wiederum ein Metamphetamin und hatten damit die Hauptzutat für Modedrogen wie „Crystal“ oder „Crack“. Doch Rhinopront wurde vom Markt genommen. Was nun?

Nun spricht ein türkischer Arbeitsloser in der Lüdenscheider Innenstadt einen Bekannten an und schlägt ihm ein Geschäft vor. Der Bekannte, Imbisskoch mit vietnamesischen Wurzeln, gibt dem Türken 3.000 Euro. „Ich dachte, ich kriege es mit einem kleinen Gewinn zurück“, sagt der Angeklagte zu Richter Thomas Kabus. Der Empfänger des Geldes überweist die Summe auf das Konto seines Bruders in der Türkei. Der Bruder kauft tausende von Tabletten namens Eksofed. Die gibt’s dort rezeptfrei und enthalten die gleichen Wirkstoffe wie Rhinopront.

Der Vietnamese fährt seinen türkischen Freund zum Düsseldorfer Flughafen. Der Freund fliegt in die Türkei, vermatscht die Pillen mit einer Flüssigkeit zu einer Paste und füllt sie in Shampoo-Flaschen und Kekspackungen. Der erste Transport von rund vier Kilogramm des Zeugs nach Deutschland gelingt. Der Vietnamese wartet wieder am Airport und kutschiert den Türken von dort aus gleich nach Tschechien. Dort soll er dolmetschen, denn die Abnehmer sind Vietnamesen.

Der zweite Transport aber misslingt. Nach dem Hinweis eines Lüdenscheider Drogenfahnders stellen Zollbeamte am Flughafen 19,1 Kilo teuren Tablettenmatsch sicher. Unter anderem ist die Ware in einem Käsekarton versteckt. Auch die Einfuhr von Käse ist aber verboten, merkt Richter Kabus an.

Das alles gesteht der Angeklagte ein. Er war in Vietnam auf Onkel-Besuch, als der Haftbefehl gegen ihn erging. „Ich bin trotzdem freiwillig zurückgekehrt.“ Sein Lüdenscheider Kumpel wurde in Düsseldorf zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Angeklagte hat zweieinhalb Monate U-Haft hinter sich. Er möchte gerne in Deutschland bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare