Drogendealer "erkauft" mildes Urteil mit Geständnis

Symbolbild

Lüdenscheid - Mit einem umfassenden Geständnis hat sich der Angeklagte ein vergleichsweise moderates Urteil „erkauft“.

Die 9. große Strafkammer verurteilte den Lüdenscheider wegen Handels mit Drogen in nicht geringer Menge zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Das ist das Ergebnis eines Handels, den Strafverteidiger Dirk Löber mit Staatsanwalt Ömer Sivrice und der Kammer unter Vorsitz von Richter Christian Hoppe vereinbart hatte. 

Die Sicherheitsvorkehrungen im Saal 101 des Landgerichts Hagen haben weniger mit der Brisanz des Falles zu tun als mit Schutz vor dem Coronavirus. 

Justiz ergreift Maßnahmen gegen Coronavirus

Zuschauer dürfen nicht direkt nebeneinander sitzen und müssen jeweils eine Stuhlbreite Abstand zueinander halten. Selbst Rechtsanwalt Löber kann nicht direkt neben seinem Mandanten Platz nehmen. 

Vereinzelt tragen Justizwachtmeister, auch unten am Einlass, Atemschutzmasken. Formulare für Zeugen, die Verdienstausfall oder Fahrtkosten geltend machen wollen, werden nicht vom Richter überreicht – sondern per Post zugeschickt. 

Für den 28-Jährigen auf der Anklagebank gibt es wohl Wichtigeres als all das. Die schönste Nachricht für ihn: Die Richter setzen den Haftbefehl, wegen dessen er seit dem 12. Dezember in Untersuchungshaft sitzt, unter Auflagen außer Kraft. 

Unter anderem darf der Verurteilte das Land nicht verlassen und muss sich wöchentlich auf der Polizeiwache melden. Diese Regel gilt, bis er seine Ladung zum Haftantritt im Briefkasten hat. 

Keine Verständigung ohne Geständnis

Ohne die Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten und vor allem ohne das Geständnis des Angeklagten wäre die Angelegenheit für ihn weitaus weniger glimpflich ausgegangen. Theoretisch sieht das Strafgesetzbuch für diesen Verbrechenstatbestand einen Strafrahmen zwischen einem Jahr und 15 Jahren Gefängnis vor. 

Illegale Drogen ab zehn Gramm gelten laut Gesetz als nicht geringe Menge. Die hat der Lüdenscheider um das 108-fache übertroffen. Bei der Berechnung spielt vor allem der Wirkstoffgehalt des sichergestellten Amphetamins eine Rolle. 

Den stufen die Richter in diesem Fall als „extrem hoch“ ein. Die knapp fünf Kilogramm Rauschgift – laut Hoppe „eine gelblich-weiße pasteuse Substanz“ – enthielten nach Analyse des Landeskriminalamtes 1084 Gramm reine Amphetamin-Base. 

Angeklagter verschweigt Bezugsquelle

Gekauft hatte der Angeklagte den Stoff nach eigenen Angaben zwei Tage vor seiner Festnahme für 5000 Euro. Zur Tatzeit war er Hartz-IV-Empfänger. „1000 hatte ich angezahlt, den Rest wollte ich bezahlen, wenn ich was verkauft hatte.“ 

Von wem er das Amphetamin bezogen hat, darüber schweigt sich der ledige und kinderlose Mann aus – vielleicht der einzige Makel in seinem Geständnis. 

Doch dass er den Stoff gewinnbringend für 1500 bis 1700 Euro pro Kilo weiter verkaufen wollte, räumt er ein. „Aber ich hatte kaum Abnehmer, war gerade erst dabei, mich umzuschauen.“ 

Strafverteidiger Dirk Löber muss sich nach den Verständigungsgesprächen und nach dem Plädoyer des Staatsanwaltes, der viereinhalb Jahre beantragt hat, nicht mehr groß ins Zeug legen. Sein Mandant hat die Gelegenheit, vor dem Urteil sein letztes Wort zu sprechen. Es lautet: „Ich habe nichts zu sagen.“ 

Er wirkt entspannt – und gilt als hafterfahren. Vier Jahre hat er bereits hinter Gittern verbracht.

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