K.o.-Tropfen und Crystal Meth

Drogenberater warnen vor neuen Gefahren

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Von links Stefan Tertel, Jutta Hendess, Hans-Jürgen Vormschlag, Klaus Hillebrand und René Sadowski bei der Vorstellung der aktuellen Situation der Drobs in Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Die Drogenberater der Anonymen Drogenberatung im Märkischen Kreis (Drobs) warnen aktuell vor neuen Gefahren in Lüdenscheid: K.o.-Tropfen, die heimlich in Getränke gemischt werden, und die hochbrisante Synthetikdroge Crystal Meth.

„Wir haben von mehreren Seiten Hinweise auf die Verabreichung von K.o.-Tropfen in einer großen Lüdenscheider Innenstadt-Gaststätte“, warnt Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung im Märkischen Kreis (Drobs).

Weiteres Thema ist die synthetische Droge Crystal Meth, die seit Kurzem auch in der Region angeboten wird. Noch vor drei Monaten habe er in Entgiftungskliniken nach Crystal Meth nachgefragt. Die Antwort sei negativ ausgefallen. Doch inzwischen scheint die hochbrisante Substanz aus der Familie der Amphetamine den Weg in die Bergstadt gefunden zu haben.

Die Drobs

Die Anonyme Drogenberatungsstelle in Lüdenscheid ist zuständig für Meinerzhagen, Kierspe, Herscheid, Halver, Schalksmühle und Lüdenscheid selbst. Weitere Beratungsstellen der Drobs befinden sich in Iserlohn und Werdohl. Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich.

Kontakt: Körnerstraße 10a

58507 Lüdenscheid

Tel. 0 23 51/2 77 07 luedenscheid@drobs-mk.de

„Das weitet sich aus. Es war klar, dass die Welle uns erreichen wird“, sagt Klaus Hillebrand, Drobs-Berater an der Körnerstraße. Die Droge wird vielfach billig und mit riesigen Gewinnspannen in Tschechen produziert und breite sich über Bayern aus. Leipziger Kollegen, so Präventionsfachkraft René Sadowski, bearbeiteten zu 80 Prozent Fälle im Zusammenhang mit „Meth“ oder „Crystal“, so die gängige Bezeichnung. „Heroin ist dort inzwischen Rarität.“

Crystal Meth werde häufig beigemischt

Auffällig aus Sicht der Drobs ist, dass Crystal Meth offenbar auch den häufig konsumierten Amphetaminen (Speed, Pep) beigemischt werde. Wer ungewöhnliche Begleiterscheinungen nach dem Konsum wahrnimmt, könne sich – natürlich anonym – an die Drobs wenden, so Hillebrand. Ob die Droge beigemischt wurde, könne man im Gespräch oder über eine Urinprobe feststellen. Denn die Folgen seien verheerend, so Hans-Jürgen Vormschlag, Lüdenscheider Delegierter in der Drobs-Mitgliederversammlung.

Gläser nie unbeaufsichtigt lassen

Die weitere Warnung, die vor den K.o.-Tropfen, passt in die Karnevalszeit. Die Drobs-Fachleute weisen darauf hin, dass man Gläser in Gaststätten niemals unbeaufsichtigt stehen lassen dürfe. Opfer seien Frauen und Männer, unabhängig vom Alter. Welche Art von Straftat hinter der Beimischung der Tropfen stehe, lasse sich vielfach gar nicht mehr rekonstruieren, die Opfer haben einen regelrechten Filmriss, können Sexualdelikte oder Diebstähle gar nicht mehr bezeugen.

Sofort in ärztliche Behandlung begeben

Immens wichtig sei, sich sofort in ärztliche Behandlung zu begeben, so Jutta Hendess, ebenfalls Beraterin im Drobs-Team. Die wirksamen Substanzen seien nach zwölf Stunden komplett abgebaut und nicht mehr nachweisbar. Im Getränk selbst sind sie nicht wahrnehmbar. „Man kann sie nicht sehen, nicht riechen, es setzt sich nichts ab“, erklärt Sadowski. - von Florian Hesse

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