Drobs: Drei Wochen Wartezeit

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Stefan Tertel (2.v.r.), Geschäftsführer der Drobs MK, mit seinem Lüdenscheider Team, den Drogenberatern Bernd Weißflog (v.l.), Jutta Hendess und Klaus Hillebrand.

LÜDENSCHEID - Drei Menschen sind in Lüdenscheid nach Polizeiangaben im ersten Halbjahr 2010 an den Folgen von Drogenkonsum gestorben (wir berichteten). „Diese Zahl ist aber nicht unbedingt aussagekräftig“, sagt Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung (Drobs) MK.

Der Grund: Die Polizei erfasse nur sehr offensichtliche Fälle. Sterbe ein Mensch zum Beispiel an einer Lebererkrankung als Folge seines langjährigen Drogenkonsums, fließe sein Tod nicht in die Statistik ein.

Fest steht dagegen, dass die Drobs 214 Menschen – so viele wie noch nie – im vergangenen Jahr in eine Entgiftungstherapie vermittelt habe (2008: 118). Auch sei der Beratungsbedarf nach wie hoch. „Bis Anfang Juli hatten wir in Lüdenscheid eine Wartezeit von drei Wochen. Jetzt, in den Ferien, ist sie momentan etwas kürzer“, berichtet Drogenberaterin Jutta Hendess.

Die Menschen, die von der Drobs betreut würden, seien etwa zwischen 14 und 55 Jahren alt. „Bei den Jugendlichen kommen meist die Eltern oder sie werden von der Jugendgerichtshilfe geschickt“, beschreibt Hendess. Als „Modedroge“ nennt sie in diesem Zusammenhang Cannabis – Einstiegsdroge sei das Rauschmittel aber nicht: „Das sind nach wie vor Nikotin und Alkohol. Durch diese legalen Drogen lernen Jugendliche Suchtverhalten.“ Problematisch am Cannabis-Konsum sei aber vor allem die Illegalität: „Dadurch geraten Jugendliche in ein kriminelles Milieu – und kommen dort dann natürlich auch mit anderen Drogen in Kontakt.“

Großer Mangel an Substitutionsplätzen

Große Sorgen bereitet der Drogenberaterin nach wie vor der Mangel an Substitutionsplätzen in der Kreisstadt. „Hier vor Ort gibt es zur Zeit 38 Plätze. Gebraucht würden etwa vier mal so viele“, erklärt Jutta Hendess. Deshalb müssten sich viele Lüdenscheider ihr Methadon in anderen Städten abholen, zum Beispiel in Schwerte oder Hohenlimburg. „Das ist gerade für Hartz-IV-Empfänger hart. Das Methadon wird zwar von der Krankenkasse bezahlt, die Fahrt zur Abgabestelle aber nicht.“ Trotz intensiver Gespräch mit vielen Ärzten sei es nicht gelungen, weitere Praxen für das Methadon-Programm zu gewinnen.

Methadon-Ambulanzen gefordert

„Aus unserer Sicht gibt es jetzt nur noch eine Lösung. Es müssen Methadon-Ambulanzen eingerichtet werden, wie zum Beispiel in Dortmund oder Bochum“, betont Stefan Tertel. Diesbezüglich sieht er die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht. Tertel: „Es muss etwas passieren, denn bei Substitution verbessert sich in der Regel der Gesundheitszustand der Betroffenen sehr schnell – und es ist vorbei mit der Kriminalität.“ - cwi

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