DRK-Tagesstätte in Brügge: Beliebter Mittags-Treff

Großer Andrang beim Mittagstisch: Sehr beliebt bei den Senioren ist die DRK-Tagesstätte an der Brügger Volmestraße.

BRÜGGE ▪ Gestern gab’s für Reinhard Flegel gebratenen Rotbarsch mit Remouladensauce, Salzkartoffeln und Salat. Kaum hat der 60-Jährige noch einen Platz gefunden im Speisesaal der DRK-Tagesstätte an der Volmestraße in Brügge, steht der Teller schon vor ihm. Die Wahl – Wirsingeintopf – bleibt theoretisch; die Portion kommt bei vielen Besuchern lieber für samstags in die mitgebrachte Plastikbox. Freitags ist Fischtag, das hat Tradition. So wie das Speisenangebot, für das die hauptamtliche Mitarbeiterin Heidi Skorupa tief in Rezepten ihrer Großmutter kramt und gerne Klassiker wie Stielmus und Potthucke, Linsensuppe und Rindsgulasch mit Gurkensalat auftischt.

Auf Salat hätte Reinhard Flegel verzichtet, nicht aber auf sein Krombacher. Der eine kommt, das andere bleibt aus, doch der Brügger Rentner zeigt Verständnis: „Die Manuela iss unter Dampf jetzt, das hat sie vergessen.“ Manuela und Gabi – das sind die Ehrenamtliche und die Ein-Euro-Kraft, ohne deren Hilfe „Heidi“ Skorupa (48), die eigentlich Heide-Marie heißt, den Hochbetrieb nicht bewältigen könnte. Im Schnitt 20 Essen gibt sie aus, gestern war’s mehr als das Doppelte – auch zum Mitnehmen. Nach 13 Uhr muss der Tiefkühlfisch noch in die Pfanne, die eisige Notration.

„So hab’ ich’s aber auch noch nicht erlebt“, wundert sich der Stammgast, während er aufs Dessert wartet: „Der Nachtisch ist lecker hier.“ Was kommt, ist fluffige Weinschaumcreme im Glas, während sich ringsum Senioren rege unterhalten. „Die Leute, die sich hier treffen, haben sich früher nicht gekannt“, weiß Heidi Skorupa. Jetzt kann es sein, dass sie gar gemeinsam einen der Kurse im Haus besuchen: Gedächtnistraining, Gymnastik, Yoga (auch auf dem Stuhl), die Skatrunde – „einfach mal fragen“, ermuntert sie Unentschlossene. Je mehr Betrieb, desto besser, findet sie. Auch Demenzkranke sollen hier bald mit Angehörigen gesellige Stunden verbringen.

Seit 1988 gibt’s Haus und Seniorentreff, seit zweieinhalb Jahren Mittagstisch. Am ersten Sonntag im Monat wird fein gedeckt und gespeist, ansonsten ist montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 15 Uhr; Gruppen müssen sich anmelden und Sonntagsgäste; Kaffee und Kuchen gibt’s auch. „Wir geben den Standort nicht auf“, betont DRK-Geschäftsführer Gerd Tolksdorf und blickt zufrieden in die große Runde. Jetzt kommt Manuela kassieren, nimmt fünf Euro aus der gezückten Flegel’schen Börse. „Ich sehe fast nichts mehr“, erklärt der. „Die wissen das hier.“ Spricht’s, wünscht einen guten Tag und geht.

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