Drei Jahre und drei Monate Gefängnis

Lüdenscheid -   Der Vorwurf des versuchten Totschlags ist vom Tisch. Das Schwurgericht hat den Lüdenscheider, der seinen Zechkumpan mit einem Messer traktiert hat, wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Mit dem Strafmaß hat das Gericht mildernd berücksichtigt, dass der Mann zur Tatzeit erheblich alkoholisiert war und unter dem Einfluss der Ersatzdroge Polamidon sowie Morphium stand. Richterin Heike Hartmann-Garschagen: „Es ist nicht ausschließbar, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten erheblich eingeschränkt war.“

Das Urteil entspricht in seiner Höhe exakt dem Antrag von Staatsanwalt Nils Warmbold. Trotzdem folgt die Kammer nicht dessen Argumentation, der Angriff sei im Laufe eines Streits eine Reaktion wiederholter Beleidigungen durch das Opfer gewesen. Das Wort „Päderast“ sei sicherlich eine „russische Maximalbeleidigung“, so die Richterin.

Aber es sei nicht glaubhaft, dass der 58-Jährige nach etlichen Schlägen, unter anderem mit einem Aschenbecher, „nicht selbst tätig geworden“, sondern auf dem Sofa sitzend die Messerverletzung erlitten hat. „Die Wohnung war danach total verwüstet.“ Und die Massivität der Verletzungen – wenn sie auch nicht lebensbedrohlich waren – spreche überdies der Annahme eines minderschweren Falls. Die hätte den Strafrahmen noch weiter eingeschränkt.

Strafverteidiger Andreas Trode hielt in seinem Plädoyer zuvor ein Strafmaß von drei Jahren und drei Monaten Gefängnis für seinen Mandanten für „recht hoch gegriffen“. Berücksichtigt werden müsse die „affektive Entladung“ der Aggression angesichts der fortwährenden Beleidigungen durch das Opfer. Auch die Tatsache, dass der 58-Jährige die Geschichte offensichtlich „gut verdaut“ habe und nicht lebensgefährlich verletzt wurde, spreche für eine weitere Strafmilderung.

Im übrigen seien keine erheblichen rechtswidrigen Taten von seinem Mandanten zu erwarten. Auch der psychiatrische Sachverständige hatte eine eine positive Gefahrprognose verneint. Deshalb, so Andreas Trode, müsse sein Mandant auch nicht zwangsweise in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Das sieht die Kammer genau so. Doch den Antrag des Staatsanwaltes und des Verteidigers, den Haftbefehl gegen den Verurteilten aufzuheben und ihn bis zum Antritt der Strafhaft auf freien Fuß zu setzen, verwerfen die Richter. Angesichts der Arbeitslosigkeit und fehlender sozialer Bindungen sei die Fluchtgefahr zu groß. Der Lüdenscheider bleibt in Haft.

Rechtsanwalt Trode kündigte nach dem Richterspruch an, Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen.

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