Kinofilm "Undine"

Dreharbeiten für Spielfilm: Stars hautnah in Brügge - alle Fotos hier

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Absperrungen gibt es keine, das große Filmteam bringt das Equipment für den Dreh der Kinofilm-Szenen an den Bahnsteig in Brügge.

Lüdenscheid – Die Dreharbeiten zum Kinofilm "Undine"  von Regisseur Christian Petzold am Brügger Bahnhof haben begonnen. Wir waren vor Ort und haben mit ihm und der Crew gesprochen: über den Drehort, den Film und Petzolds Bezug zu Lüdenscheid.

„Wenn wir den nächsten Zug nehmen wollen, müssen wir jetzt loslegen“, ruft jemand über den Bahnhof in Brügge. Nach und nach läuft das Filmteam vollbepackt mit Kamera- und Tonequipment den Bahnsteig entlang, einige greifen noch nach den Regiestühlen, die neben dem Gleis abgestellt waren. 

Wenig deutet darauf hin, dass dort gleich Szenen eines Kinofilms gedreht werden. Absperrungen gibt es keine, der Bahn- und Busverkehr fährt wie gewohnt. Lediglich die Infotafeln in einem der Hinweiskästen machen manchen Fahrgast stutzig: Direktverbindungen mit dem ICE nach Berlin, oder eine Regionalbahn nach Wuppertal werden dort gelistet. Doch ansonsten bleibt die Kulisse am Brügger Bahnhof authentisch. 

Bekannte deutsche Schauspieler dabei

„Eine Liebesgeschichte muss man nicht in Rom oder Paris erzählen – das geht auch hier“, sagt der deutsche Filmregisseur und Drehbuchautor Christian Petzold und setzt genau das seit Dienstag und noch Mittwoch für seinen Kinofilm „Undine“ vor Ort um. Das Team fasst rund 50 Leute, Produktionsfirma ist Schramm Film Koerner & Weber, die unter Petzolds Regie die Szenen dreht. 

Und das etwa mit den bekannten deutschen Schauspielern Paula Beer, die zuletzt für ihr Wirken in der Drama-Serie „Bad Banks“ mit dem Bambi und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, sowie Franz Rogowski, der ebenfalls zum Hauptcast gehört, und Jacob Matschenz. 

Dreharbeiten für Spielfilm in Brügge

Obwohl die Geschichte der Stadthistorikern Undine insbesondere auch in Berlin spielt, hat sich Regisseur Petzold ganz bewusst für Filmszenen im Sauerland und im bergischen Land entschieden, wie er sagt. Als nächstes wird etwa in Gummersbach und Solingen gedreht. 

Selbst in Haan nahe Wuppertal großgeworden, verbrachte der heute 58-Jährige früher auch Zeit in Lüdenscheid. „Das Sauerland ist für mich immer ein Bezugspunkt gewesen. Ich habe Spaziergänge durch den Stadtpark gemacht und war sogar bei Rot-Weiß Lüdenscheid“, erinnert er sich. „Als ich am Montag wieder hier her gekommen bin, habe ich richtiges Heimatflattern gehabt.“ 

"In Lüdenscheid beginnt das Grauen"

Und das möchte er nun für seinen Film nutzen: „Undine“ sei ein Drama, eine Liebesgeschichte und gleichzeitig eine moderne Interpretation des berühmten Wassernixen-Mythos, nachdem sie Männer, die ihre Liebe verraten, töten muss. Doch Undine versucht, ihrem Schicksal zu entkommen, als sie von ihrem Freund betrogen wird. Sie verliebt sich schließlich in Christoph, einen Industrietaucher, der sie aus Berlin unter anderem ins Sauerland lockt. 

„Hier geht die eigentliche Geschichte also quasi los, es wird düster und dramatisch, denn sie muss ihn töten – in Lüdenscheid beginnt das Grauen“, sagt Regisseur Petzold mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. 

"Brauchten einen romantischen Bahnhof"

Bis dahin wird‘s am Brügger Bahnsteig aber erst mal romantisch, denn der Industrietaucher „liebt Undine wirklich“, wie Petzold sagt. Am Dienstag drehte das Team den Abschied nach Undines erstem Besuch im Sauerland. Die Szene: Der Zug fährt ein, Christoph gibt Undine ein Geschenk zum Abschied, das sie später im Zug öffnet. Darin befindet sich ein Aquariumtaucher, den die beiden bei ihrer ersten Begegnung gefunden haben und der ein Symbol für ihre Liebe sei. 

„Wir drehen hier vor allem Liebes- und Abschiedsszenen, dafür brauchten wir einen romantischen Bahnhof“, sagt Petzold. Und den haben sie in Brügge gefunden: „Ich habe mich direkt an die Region wegen der vielen Talsperren erinnert, das war natürlich passend für die Geschichte.“ 

Wochenlang auf Motivtour

Knapp zwei Wochen lang war erst ein Scout und dann auch Regisseur Petzold gemeinsam mit Produktionsleiter Anton Kaiser in der Region unterwegs auf Motivtour. „Das war ein wirklich aufwendiger Prozess“, sagt Kaiser. 

Doch der Bahnhof in Brügge habe vor allem wegen seines Charmes überzeugt, betont Petzold: Der Mix aus Moderne und dem alten Übergang, „das große, schöne Tal, der Busbahnhof direkt daneben – das ist diese Region heute“. 

In Lüdenscheid gibt´s "freundliche Leute"

Überhaupt verbinde er mit der Gegend ein positives Gefühl und „freundliche Leute. Wir wurden schon auf den ,neuen‘ Fahrplan mit den Verbindungen nach Berlin angesprochen – als wir das mit dem Filmdreh erklärt haben, hat sich ein Mann richtig gefreut und uns einiges über Brügge und die Entstehung hier erzählt. In Berlin wären wir vermutlich direkt angebrüllt worden, was die Scheiße soll“, erzählt Petzold und lacht. 

Bruch mit der Realität

Doch ganz perfekt war‘s dann doch nicht: Bereits um 7 Uhr morgens waren die ersten Mitarbeiter am Dienstag am Bahnhof, um „entlang des Gleisbetts Dreck und Müll zu entfernen“, sagt Produktionsleiter Kaiser und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Das war dann doch ein kleiner Bruch mit der Realität.“ 

Weiter ging es dann um 8.30 Uhr bis etwa 18.30 Uhr. Davon tatsächliche Drehzeit: rund vier Stunden. „Der Rest sind Vorbereitungen, Auf- und Abbau sowie Proben vor dem eigentlichen Dreh“, sagt der Produktionsleiter weiter. Im Kinofilm selbst werden die Szenen in Brügge insgesamt etwa zehn bis zwölf Minuten zu sehen sein.

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