Einschränkungen für Stern-Center und Möbelhaus 

Drastische Maßnahmen: Sorgen im Handel

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Feinkost-Händler Oliver Scherff (vorne) bekam am Montag routinemäßig Käsenachschub von Michel Kortekaas.

Die Stadt beschränkt den Zugang zu Einrichtungshäusern, Einkaufszentren und vergleichbaren Einrichtungen. Der Aufenthalt sei nur zur Deckung des dringenden oder täglichen Bedarfs gestattet, heißt es in der Bekanntmachung, die am Montag gegen Abend veröffentlicht wurde.

Die Allgemeinverfügung zur Verhütung und Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus regelt auch Details wie Abstände zwischen Besuchern (zwei Meter), Belüftung (mindestens alle 30 Minuten), verpflichtende Beratungen zum Infektionsschutz. Wer Anzeichen einer Erkrankung zeigt, muss die Räume verlassen, auch Schüler- und Jugendgruppen dürfen sich im Einkaufszentrum nicht aufhalten.

Ausgenommen vom Veranstaltungsverbot sind bislang Wochenmärkte. Wie genau Stern-Center und XXXLutz Sonneborn die Vorgaben umsetzen wollen, teilten sie am Montag nicht mehr mit.

Dabei hatte der Morgen noch so getan, als sei er ein normaler Montag: Die Sonne scheint, Fußgänger sind unterwegs in der Zone, Lieferfahrzeuge sowieso. Erste Kleiderständer stehen vor den Läden, eine Kundin inspiziert bunte Tulpensträuße, fest entschlossen, nicht ohne Frühlingsgruß nach Hause zu gehen. Aus Altstadtgassen dringt das Brummen eines rangierenden Baggers. Ein Fensterputzer befreit Schaufenster vom Schlechtwetter-Belag der vergangenen Wochen.

Eine Geschäftsfrau fegt vorm Schaufenster den Staub des Wochenendes auf. „Heute“, erzählt sie, „waren wir schon um sieben Uhr einkaufen. Meine Mutter durfte nur zwei Päckchen Kartoffelpüree kaufen. Das dritte musste an der Kasse bleiben.“ Normal ist eben doch nichts in diesen Tagen.

Im Stern-Center trägt die Drogerieverkäuferin Handschuhe. An einer Ladentür hängt der Hinweis, man reduziere die Öffnungszeiten, damit Mitarbeiter wegen der Schulschließungen die Kinderbetreuung gewährleisten könnten.

Nachmittags verdichten sich Hinweise auf drastische Maßnahmen, die alle betreffen. „Wir stehen aktuell – wie bereits seit Auftreten der ersten Verdachtsfälle in Deutschland – im engen Austausch mit den örtlichen Behörden, die derzeit genauere Vorgaben erarbeiten, wie die von der Landesregierung angekündigten Auflagen konkret umzusetzen sind“, sagt Center-Manager Daniel Dalsasso auf Anfrage.

Man werde die Regelungen in enger Abstimmung mit den Behörden umsetzen. Die Entwicklung sei aktuell sehr dynamisch. 

Derweil nutzen Lüdenscheider Einzelhändler Facebook für einen Appell: „Wir kleinen Einzelhändler sitzen alle im gleichen Boot und haben Angst vor dem, was da kommt“, steht dort. „Wir freuen uns über jeden einzelnen von euch, wenn ihr uns unterstützt.“

Einer, der ebenfalls Wege für sich sucht, ist Feinkost-Händler Oliver Scherff. Er bietet einen Lieferservice innerhalb Lüdenscheids an. „Ich möchte nach Corona auch noch existieren“, sagt er.

Wochenmärkte beschickt er ebenfalls. Sein Ladenlokal am kleinen Sternplatz wolle er, der montags Ruhetag hat, am Dienstag ganz normal wieder öffnen: „Schlussendlich habe ich Lebensmittel“.

Montag macht auch Lieferant Michel Kortekaas nachmittags routinemäßig auf seiner Tour zwischen Dülmen und Düsseldorf in Lüdenscheid Station. Die Firma sitzt in Straßburg, der Holländer lebt in Deutschland, wo er 26 Jahre lang selbst ein Käsegeschäft hatte: „Ich weiß genau, was meine Kunden brauchen.“ Im Moment ist es vor allem Verlässlichkeit.

Im Feierabendverkehr geht’s zurück nach Düsseldorf; den Schlüssel fürs Hotel schon in der Tasche. Was es zum Abendessen gibt, weiss er noch nicht: „Ich habe ja genug Käse, ich werde nicht verhungern.“ Für eine warme Mahlzeit „bleibt immer noch die Tankstelle“. Käse-Nachschub sei gesichert, sagt Kortekaas – solange das Lager funktioniere. Sollten eigene Fahrer ausfallen, schicke man die Ware per Spedition.

Derweil schienen auch am Montag Hamsterkäufe in Lebensmittelmärkten nach wie vor ein Problem zu sein. „Die gängigen Produkte, die in Massen gekauft werden, kommen nicht nach“, sagt Krystian Frankowski, Filialleiter von Edeka Preller am Buckesfeld. 

Die Industrie könne die Produkte nicht so schnell nachliefern. Gerade Toilettenpapier, Nudeln und Mehl seien betroffen. „Es machen leider immer noch viel zu viele Leute Hamsterkäufe“, sagt er. „Ich habe Samstag 400 Pakete Mehl bekommen, nach drei Stunden war alles leer.“ Die Verhängung eines Mengen-Limits für jeden Kunden sei aber nicht beabsichtigt. Ob es durch die Grenzschließungen zu weiteren Lieferproblemen kommt, vermochte der Filialleiter gestern nicht zu sagen. Das hänge auch damit zusammen, was für Produkte aus dem Ausland geliefert würden.

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