Dramatische Lage in Italien

Coronavirus: Lüdenscheiderin fühlt sich wie im Gefängnis

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Die beiden Töchter von Luciana Nuovo haben neben Schulaufgaben auch jeden Tag jeweils eine Stunde Online-Unterricht in Mathe und Italienisch.

Lüdenscheid – „Ich fühle mich mittlerweile, wie in einem Gefängnis“, sagt Luciana Nuovo. Die gebürtige Lüdenscheiderin mit italienischen Wurzeln lebt mit ihrer Familie seit 13 Jahren in Italien und leidet sehr unter der Ausgangssperre, die im ganzen Land aufgrund des Coronavirus verhängt wurde. Die Lage in Italien ist dramatisch.

Mehr als 14 000 Menschen sind dort bereits an den Folgen des Virus gestorben, mehr als 115 000 infiziert (Johns Hopkins Universität/Stand 3. April, 17 Uhr).

Seit die Lüdenscheiderin vor drei Wochen schon einmal in den Lüdenscheider Nachrichten von ihrem Leben in Italien berichtete, hat sich einiges verändert. Seit dem 9. März gibt es eine Ausgangssperre im ganzen Land. Nur zum Einkaufen kommt Luciana Nuovo noch raus, und selbst dafür benötigt sie eine Genehmigung.

„Wer keine Genehmigung hat, muss eine Strafe zwischen 600 und 1000 Euro zahlen. Die Genehmigung kann man sich im Internet herunterladen“, sagt sie. Dazu seien allerdings auch ein Ausweis und eine Unterschrift notwendig. Aus der Stadt herauszufahren sei nur für dringende Erledigungen möglich. Und in einem Auto dürfen maximal zwei Personen mitfahren – einer vorne als Fahrer und der andere muss hinten sitzen. Kontrolliert wird die Ausgangssperre von den Behörden, Polizei und Carabinieri.

Es dürfe auch nur eine Person pro Familie zum Einkaufen raus. Im Supermarkt muss ein Abstand zu den anderen Personen eingehalten werden, wie auch in Deutschland. Je nach Größe des Marktes dürfen allerdings nur vier Personen gleichzeitig hinein. Die übrigen Menschen müssen draußen warten. Anstatt einer Security wird in Italien eine Nummer gezogen, ähnlich wie man es vom Einwohnermeldeamt kennt. „Ich mache lieber gleich einen Großeinkauf für zwei Wochen, um möglichst selten in den Supermarkt zu müssen und auf andere Menschen zu treffen“, sagt die Italienerin. Außerdem geht sie lieber in der Mittagszeit, wenn die meisten anderen Siesta machen oder zu Mittag essen, denn dann sei am wenigsten los. Früh morgens, wenn die meisten einkaufen gehen, nehme der Einkauf drei bis vier Stunden in Anspruch. Derzeit sei noch alles zu bekommen. Auch Mehl sei wieder da, aber die Supermärkte haben schon mitgeteilt, dass es bald einige Artikel nicht mehr geben könnte.

Warteschlangen bilden sich jedoch nicht nur vor den Supermärkten, sondern auch vor Apotheken und Arztpraxen. „Einen Arztbesuch sollte man wenn möglich aber vermeiden“, sagt sie. Die meisten Menschen tragen in der Öffentlichkeit Handschuhe und Mundschutz – auch Luciana Nuovo. Wie in Deutschland nähen sich auch in Italien viele selbst einen Mundschutz, da es kaum noch welche gibt. Auch Desinfektionsmittel gebe es kaum noch.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK.

Kinder dürfen überhaupt nicht mehr raus. Seit Anfang März müssen sie von Zuhause aus lernen, und die Schule soll erst wieder im September beginnen, erklärt die Mutter zweier Töchter. Der Unterricht findet bis dahin über das Internet statt. Per Video mit dem Computer oder Handy sei die gesamte Klasse und die Lehrerin zu sehen. Zwei Mal am Tag findet der Unterricht ihrer Töchter, 7 und 10 Jahre alt, statt. Je eine Stunde Mathe und eine Stunde Italienisch. Zusätzlich gibt es Hausaufgaben, die die Schüler den Lehrern über ein Online-Programm zukommen lassen, damit diese die Aufgaben korrigieren.

Der Unterricht ist für die beiden Töchter eine willkommene Ablenkung. Denn abgesehen davon haben die beiden Langeweile. „Sie würden gerne nach draußen gehen bei dem schönen Wetter, aber das ist einfach nicht möglich“, sagt Luciana Nuovo.

Die ganze Familie ist Zuhause, auch ihr Mann. Niemand arbeitet mehr, außer Mitarbeiter in Supermärkten, Apotheken, Krankenhäusern und bei Ärzten. Alles andere ist geschlossen.

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