„Dr. Apple“ sitzt im Gefängnis

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Lüdenscheid - Rund eineinhalb Jahre lang war ein Serienbetrüger aus der Kreisstadt in Brasilien abgetaucht. Nun sitzt der als „Dr. Apple“ bekanntgewordene Lüdenscheider in Hagen im Gefängnis. Die Behörden nahmen den 47-Jährigen bei der Einreise am Frankfurter Flughafen fest.

Von Olaf Moos

In weit mehr als 100 Fällen hat der Mann hochwertige Computer, Handys und Unterhaltungselektronik im Internet angeboten, ohne die Ware überhaupt zu besitzen. Die Kunden bissen gerne an, bestellten, bezahlten – und warten bis heute auf ihre Ware. Mehrere Betrugsprozesse wurden anberaumt. Doch „Dr. Apple“ entzog sich Vernehmungen, begab sich mehrfach flugs in die Obhut von Psychiatern des Klinikums Hellersen, berichtete über Rückenbeschwerden, wegen derer er nicht verhandlungsfähig sei – und betrog derweil munter weiter.

Mit seiner Masche sorgte der Lüdenscheider bei seinen Kunden für einen hohen fünfstelligen Schaden. Gleichzeitig hielt er seine Familie als Hartz-IV-Empfänger über Wasser. Wegen einer angeblichen Depression kam er anfangs mit Bewährungsstrafen davon. Während einer Untersuchungshaft erwirkte er sogar Haftverschonung.

Im Februar 2013 schließlich platzte ein Verfahren, nachdem sich der Lüdenscheider wiederum stationär in die Psychiatrie hatte einweisen lassen. Sein nächster Weg führte ihn dann mitsamt brasilianischer Ehefrau und kleinen Kindern nach Recife, 1,5-Millionen-Metropole und Spielort der Fussball-Weltmeisterschaften im Nordosten Brasiliens. Nach LN-Informationen war er aber auch dort nicht faul und betrog ahnungslose Kunden um ihr Geld.

Ein Sprecher der Hagener Staatsanwaltschaft bestätigte, dass der verurteilte Gauner mit seiner Familie „offiziell eingereist“ ist und am Flughafenterminal in Haft genommen wurde. Nun sitzt der Betrüger zunächst eine einjährige Freiheitsstrafe ab. Ein weiteres Urteil gegen ihn ist vor seiner Flucht nach Südamerika ergangen, aber noch nicht rechtskräftig. Nach umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sind weitere Verfahren gegen „Dr. Apple“ anhängig.

Warum der Lüdenscheider trotz seines Haftbefehls zurückgekommen ist, kann derzeit nur gemutmaßt werden. In Ermittlerkreisen heißt es, möglicherweise ist ihm nach seinen Machenschaften auch der Boden in Brasilien zu heiß geworden – und er hat die deutschen Haftbedingungen denen Brasiliens vorgezogen.

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