„Dr. Apple“: Foto mit Handschellen

Lüdenscheid - An der Schuld des einschlägig vorbestraften Internet-Betrügers zweifelt niemand im Gerichtssaal ernsthaft. Der als „Dr. Apple“ bekannt gewordene Lüdenscheider (48) tut sich schwer, ein umfassendes Geständnis abzulegen. Aber er streitet auch nicht ab. Der Familienvater beruft sich auf Erinnerungslücken, die angeblich auf seiner psychische Erkrankung beruhen.

Seine Hoffnung richtet sich auf ein Attest für verminderte Schuldfähigkeit. Doch der Gutachter, Dr. Oliver Braatz aus Dortmund, hat diese Hoffnung – wie berichtet – deutlich gedämpft.

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"Dr. Apple" laut Gutachten schuldfähig

Die Hauptverhandlung, zunächst auf vier Prozesstage terminiert, wird aller Voraussicht schneller beendet werden als ursprünglich geplant. Das hat mehrere Gründe. 43 Betrugstaten hat Staatsanwalt Dr. Marco Klein angeklagt. Zahlreiche Zeugen aus der ganzen Bundesrepublik waren für den Fall geladen, dass „Dr. Apple“ die Vorwürfe von sich weist und der Justiz eine mühsame Beweisaufnahme aufzwingt.

Mit der Vernehmung eines Mannes aus Aurich und der Aussage eines Zeugen aus Chemnitz sowie zweier Kripo-Beamter kann das Erweiterte Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Jürgen Leichter es möglicherweise bewenden lassen. Das erspart dem Steuerzahler eine Menge Kosten, die jeweils für Anfahrt und Verdienstausfall entstanden wären.

Doch wie wütend die Opfer des Betrügers sind, zeigt sich am Beispiel des Mannes aus Chemnitz. Er hat seinem Sohn zum Beginn des Studiums ein Apple MacBook Pro schenken wollen – und musste ihn zunächst enttäuschen. Denn der Anbieter lieferte nicht, erstattete den Kaufpreis nicht und ging auf Tauchstation. Als der Angeklagte in Handschellen aus der Vorführzelle des Gerichts in den Saal gebracht wird, fängt ihn der Chemnitzer auf dem Flur ab und fotografiert ihn mit seinem Handy. Strafverteidigerin Andrea Schubert „petzt“ beim Richter und sorgt dafür, dass der Zeuge das Foto löschen muss.

Die Prozessbeteiligten verständigen sich darauf, dass das Verfahren in 19 der angeklagten 43 Fälle eingestellt wird – „im Hinblick auf die im übrigen zu erwartende Bestrafung“, wie es heißt. Damit fährt „Dr. Apple“ vergleichsweise gut. Schon im Ermittlungsverfahren gab es Einstellungen durch die Staatsanwaltschaft. Ein Kripo-Mann berichtet von ursprünglich 137 Verfahren.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Von Olaf Moos

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