Neu im Virtuellen Museum

Zigarettenetuis und Puderdosen aus Lüdenscheider Herstellung

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Zigarettenetuis und Puderdosen wie diese fertigte die Firma Heinrich vom Hofe.

Lüdenscheid – Der Ideenreichtum der Lüdenscheider Unternehmer und ihre Fähigkeit, Produkte dem Zeitgeist anzupassen, sind fast schon legendär. Noch etwa in der Mitte des 20. Jahrhunderts gehörten Zigarren- und Zigarettenetuis, Puderdosen oder Futterale für Reisewecker zu typischen Produkten aus Lüdenscheider Herstellung. Eine Sammlung solcher Dosen und Etuis fügen wir dem Virtuellen Museum hinzu.

Es handelt sich um ein ganzes Konvolut aus der Produktpalette der Firma Heinrich vom Hofe. In dem 1964 erschienenem Werk „Lüdenscheid – Industriestadt auf den Bergen“ nennt Dr. Walter Hostert „die Zigaretten- und Zigarren-Etui-, Tabak-, Seifen- und Puderdosen-Industrie“ als typischen Industriezweig in den 1960er-Jahren. Aus dieser Zeit dürfte auch ein großer Teil der vorliegenden Sammlung aus den Museen der Stadt stammen.

Es war die Ära der sogenannten Wirtschaftswundergeneration, in der es modern und weit verbreitet war, Zigaretten in Etuis bei sich zu tragen. Überhaupt war das Rauchen seinerzeit nicht nur überall erlaubt, sondern durchaus chic. Außerdem war es möglich, Zigaretten lose zu erwerben – und dann mussten sie ja irgendwo aufbewahrt werden. Diese Sammlung ist daher auch ein Zeugnis davon, dass vor 50, 60 oder mehr Jahren Selbstbedienung mit ausschließlich abgepackten Waren noch nicht allgemein üblich war – es wurden viele haushaltsübliche Dinge noch lose verkauft und direkt im Geschäft abgewogen beziehungsweise abgezählt wurden.

Oberflächen in vielen Designs

Die Etuis aus Metall hatten innen ein Gummiband mit dem die Glimmstengel fixiert wurden. Außen waren sie vielfältig gestaltet, mit Oberflächen aus Leder oder Kunstleder in verschiedenen Farben und Mustern. Das gleiche galt auch für aufklappbare Reisewecker, Puderdosen oder Taschenspiegel. Alles das waren beliebte Accessoires. Die Vielfalt der Gestaltung wird auch in der vorliegenden Sammlung deutlich – mal einfarbig schlicht in verschiedenen Farben und Designs, mal mit mehr oder weniger aufwendigen Prägearbeiten versehen oder auch mehrfarbig.

Über die Firma Heinrich vom Hofe ist im Rahmen einer ersten oberflächlichen Recherche nicht viel in Erfahrung zu bringen. Aber der Name vom Hofe gehört zu den bekannten Lüdenscheider Industriellenfamilien und ist in der Kreisstadt und Umgebung nicht selten. Rainer Assmann schrieb 1995 in einem Beitrag für den „Reidemeister“ des Geschichts- und Heimatvereins über die „Grabdenkmale Lüdenscheider Familien“, dass Familien wie vom Hofe – und eine ganze Reihe anderer wie Hueck, Gerhardi, Dicke oder Assmann – im Zuge der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert „für den Lüdenscheider Raum etwa von derselben Bedeutung (waren) wie es die Krupp, Haniel und Mannesmann im westfälisch-rheinischen Industriegebiet waren.“

Möglicher Hinweis auf Firma Heinrich vom Hofe

Hostert nennt in seinem Buch „Die Entwicklung der Lüdenscheider Industrie vornehmlich im 19. Jahrhundert“ aus dem Jahr 1960 die Firma vom Hofe und Schoppmann, gegründet 1895, deren Gesellschafter die Fabrikanten Heinrich vom Hofe und Carl Hohage waren. Die Produktpalette zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfasste zum Beispiel Stock- und Schirmbeschläge und weitere Metallgegenstände aus Messing und Eisen wie Möbelknöpfe oder Zeiger – da wäre die Entwicklung hin zu dekorativen Behältern aus Metall naheliegend. Im Lauf der Recherche wurde zudem in einer Internetauktion ein Briefbogen der Metallwarenfabrik Heinrich vom Hofe aus Lüdenscheid mit einem Schreiben aus dem Jahr 1939 entdeckt.

Auch heute noch werden Etuis insbesondere für Tabakwaren unter dem Namen vom Hofe vermarktet, mit dem Hinweis „made in Germany“. Für diesen Artikel konnte bislang nicht in Erfahrung gebracht werden, ob und wie diese heutige Marke möglicherweise mit der einstigen Lüdenscheider Firma Heinrich vom Hofe zusammenhängt.

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