4. Mittelalter-Spektakel: Ein Dorf mitten in der Stadt

„Blechmützen“ unter praller Sonne: Die Herolde in ihren Kostümen hatten einen der anstrengenderen Jobs erwischt – und trugen die Bürde trotzdem mit guter Laune.

Lüdenscheid - „So’n Wetter ist ein richtiges Geschenk.“ Sigrid Schröder, Vorsitzende des Altstadtvereins, strahlte mit den Besuchern des 4. Mittelalter-Spektakels um die Wette. Schon vor der Eröffnung durch den stellvertretenden Bürgermeister Björn Weiß am Mittag füllten sich der Graf-Engelbert-Platz und die Altstadtgassen mit Neugierigen, die nach altem Handwerk, Speis und Trank und Belustigung Ausschau hielten und die Sommersonne genossen.

Doch am Vorabend, als Veranstaltungen wegen Sturms und Regens abgeblasen oder unter Dächer verlegt werden mussten, war die Stimmung bei den Aktiven des Vereins noch gedämpft. Die Vorbereitungen, berichtet Sigrid Schröder, stockten, Abwarten und Hoffen waren angesagt.

Doch als sich Bürstenbinder, Küfer, Schmiede, Bäcker und allerlei Handwerksleute mehr am Morgen an ihren Ständen eingerichtet hatten und Herolde mit lauten Rufen nach Steuern und Abgaben übers Kopfsteinpflaster marschierten, entwickelte sich die Stimmung so, wie die Veranstalter es ersehnt hatten.

Altstadtfest

Der Gaukler Jeremias, gewandet wie Till Eulenspiegel, trieb seine Späße vor der Bühne, während hinter ihm schon die Instrumente für Minnelieder gestimmt wurden. Vor der Erlöserkirche sorgte die Greifvogel-Schau für starken Andrang. Süße und herbe Düfte mischten sich über dem Brunnen und zogen durch die engen Sträßchen und lockten immer mehr Schaulustige an – das Graf-Engelbert-Fest, wie das Spektakel im Gedenken an den Schutzpatron der Stadt seit diesem Jahr heißt, ist sicher einer der Höhepunkte des Lüdenscheider Sommers.

Zu verdanken ist das dem zeit- und nervenraubenden ehrenamtlichen Einsatz Sigrid Schröders und ihrer Mitstreiter. 70 Mitglieder zählt der Altstadtverein, davon sind 20 aktiv am Geschehen beteiligt. Unter ihnen nahezu alle Gewerbetreibenden im historischen Stadtkern. „Wir sind eben kein Marketing-Verein“, sagt die Vorsitzende. „Wir sind ein Anwohner-Verein, und wir fühlen uns wie in einem Dorf mitten in der Stadt.“

Schon vor dem Ende des Festes zog die „Dorf-Älteste“ ein begeistertes Fazit. „Es ist einfach super, die Resonanz der Menschen ist total schön“, lächelte Sigrid Schröder. Teilweise gab es wegen des enormen Andrangs Engpässe beim Nachschub. Die Helfer an den Ständen kamen an ihre Grenzen. Doch die Gäste wurden satt, gut unterhalten und zierten sich, das Fest zum Ende um 18 Uhr zu verlassen. Die Polizei meldete keinerlei Störungen.

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