Es war wohl eine Beziehungstat

Doppelmord im MK: "15 Jahre Haft sind nicht angemessen"

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Der Zugang zum Stadtbahnhof war gesperrt. Bei einem Messerangriff am Bahnhof sind zwei Menschen ums Leben gekommen.

Hagen/Iserlohn – Im Schwurgerichtsprozess gegen einen 44-jährigen Angeklagten aus Bergisch Gladbach hat Staatsanwalt Michael Burggräf eine lebenslange Haftstrafe wegen zweifachen Mordes beantragt.

Außerdem befürwortete er die Feststellung der „besonderen Schwere der Schuld“ des Angeklagten. Der 44-Jährige habe aus niederen Beweggründen „zwei Menschenleben ausgelöscht“. Den neuen Partner seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau habe er darüber hinaus auf besonders grausame Weise getötet und damit ein weiteres Mordmerkmal erfüllt. „Eine Strafaussetzung nach 15 Jahren scheint unangemessen.“ 

Auf dem Weg zu seinem Strafantrag hatte der Staatsanwalt die Ereignisse und deren Vorgeschichte noch einmal im Zusammenhang dargestellt. Das kleine Wort „zu“ habe für den Angeklagten den entscheidenden Unterschied ausgemacht – zwischen den sehr unterschiedlichen Feststellungen „Du gehörst zu mir“ und „Du gehörst mir.“ 

Zeugen berichten, wie er ihr die Haare abschnitt

Zahlreiche Zeugenaussagen hatten dokumentiert, wie sich dieses Besitzdenken des Angeklagten immer fataler auf das Leben seiner Ehefrau ausgewirkt hatte: Nur ein Jahr, nachdem sie ihrem zweiten Ehemann aus dem Kosovo nach Deutschland gefolgt war, flüchtete sie erstmals in ein Frauenhaus in Schweinfurt. 

Der Bericht über die Haare, die er ihr angeblich abgeschnitten hatte, war von mehreren Zeugen wiederholt worden. Andere hatten von einer Fesselungsaktion, einer Nacht im Freien, Schnittwunden und Schlägen mit der Folge blauer und schwarzer Flecken gehört. 

"Hoffnung auf eine bessere Zukunft"

Ein Jahr lang sei der Angeklagte lieb und nett gewesen, stellte der Staatsanwalt fest. Dann hätten Angst, Unterdrückung, Verletzungen und eine Vergewaltigung das Eheleben vergiftet. Mit ihrem neuen Partner, einem fleißigen und integrationswilligen Einwanderer aus Pakistan, habe das spätere Mordopfer „wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschöpft. Er gab ihr die Kraft, sich von ihrem Ehemann zu trennen.“ 

Dass sie in den Monaten vor der Bluttat erneut Kontakte zum Angeklagten pflegte, begründete der Staatsanwalt mit ihrer „sehr schwierigen ausländerrechtlichen Situation“. Der Angeklagte hatte noch ihren Pass in der gemeinsamen Wohnung, und sie hatte Angst vor einer möglichen Abschiebung. „In gewisser Weise war sie auf den Angeklagten und sein Wohlwollen angewiesen.“ 

Videokameras dokumentierten das Geschehen

Zahlreiche Videokameras hatten das Geschehen am Iserlohner Bahnhof dokumentiert. Diese Aufzeichnungen hatten die Prozessesbeteiligten nach und nach angeschaut. Die Bilder zeigten einen Angeklagten, der sich schon mehr als vier Stunden vor der Tat in und am Bahnhof aufgehalten hatte – „mit suchendem Blick“. 

Die Bilder zeigten auch, wie seine Frau um 14.11 Uhr mit einer Babyschale in Richtung Parkhaus eilte. Der Staatsanwalt sah keinerlei Hinweis darauf, dass der Angeklagte in Iserlohn ein Verständigungsgespräch führen wollte: „Warum hatte er ein Messer in der Hand, wenn er seine Frau zurückgewinnen wollte?“ 

Lesen Sie hier mehr zum Fall und der Vorgeschichte

Bitter war ein Detail, das wohl über Leben und Tod entschied: Nach ihrer ersten Flucht wollten die beiden Opfer mit ihrem Auto aus dem Parkhaus fahren und scheiterten am fehlenden Parkschein. In diesem Fall wäre die Zerstörung einer Parkhausschranke zweifellos die bessere Wahl gewesen.

Fortsetzung 

Der Prozess soll am Montag, 27. April, ab 13 Uhr mit dem Plädoyer von Verteidiger Andreas Trode fortgesetzt werden.

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