Doch Tempolimit an der Talstraße

LÜDENSCHEID ▪ Nach den beiden Unfällen mit drei Toten auf der Talstraße soll dort noch in diesem Jahr statt Tempo 100 künftig Tempo 70 auf dem Abschnitt zwischen der Volmestraße und der Waldstraße gelten. Die Aufstellung der Schilder kündigte die Stadtverwaltung gestern im Bau- und Verkehrsausschuss an. Diese Mitteilung überraschte, weil die Unfallkommission des Kreises zuvor trotz der tragischen Unfälle keinen Anlass zum Eingreifen gesehen hatte (die LN berichteten).

„Unser Fachdienst sieht dort durchaus Handlungsbedarf“, erklärte dagegen jetzt der städtische Verkehrsplaner Christian Hayer. Zwar hätten die inzwischen erhobenen Tempomessdaten gezeigt, dass es auf der Talstraße nur wenige Spitzen bei den Geschwindigkeitsüberschreitungen gebe. Auch sei die Aussage der Unfallkommission zu akzeptieren, dass es auf der vier Kilometer langen Talstraße keine bestimmten Unfallhäufungspunkte gibt. Und auch mit den Tempo-70-Schildern wären die beiden tödlich verlaufenen Unfälle, wenn man sich die Hergänge ansehe, wohl nicht zu verhindern gewesen.

Aber richtig ist nach Auffassung der Verwaltung auch, dass es im fraglichen Bereich der Innenkurve der Talstraße Probleme mit den Sichtbeziehungen gibt. Hinzu komme, dass im gesamten oberen Bereich zum Bräuckenkreuz nur 50 oder 70 gefahren werden dürfe. Eine Vereinheitlichung auf maximal Tempo 70 sei auch aus diesem Grund sinnvoll. Die Stadtverwaltung habe zahlreiche andere Stellen an der Untersuchung der Frage beteiligt, sagte Hayer.

Skeptisch blieben indes die Mitglieder des Verkehrsausschusses, was die Wirkung neuer Schilder angeht. „Ein Tempolimit soll da wohl die Gemüter beruhigen“, sagte der Vorsitzende Jens Holzrichter (FDP). Seiner Ansicht nach kann man die mit einer doppelt durchgezogenen Linie begrenzte Kurve auch mit 100 Stundenkilometern durchfahren, ohne sie schneiden zu müssen.

Gordan Dudas (SPD) berichtete allerdings, dass ihm kürzlich genau das passiert sei. „Ich bezweifle nur, dass sich die wenigen Raser von neuen Schildern tatsächlich beeindrucken lassen.“

Die Unfallkommission hatte noch vor kurzem eine Befassung mit der Talstraße, deren Baulastträger der Landesbetrieb Straßen NRW ist, abgelehnt. Zur Begründung hieß es bei der Polizei, die Unfälle hätten an ganz unterschiedlichen Stellen stattgefunden und seien auch im Hergang nicht vergleichbar gewesen. Auch der jüngste Vorfall, der Überschlag des Wagens eines dabei leicht verletzten 20-Jährigen in Höhe der Tankstelle, habe sich weit weg von den anderen Unfallstellen zugetragen.

Für ein Eingreifen der Unfallkommission gelte aber, dass sich binnen drei Jahren an nahezu derselben Stelle drei schwere Unfälle mit Toten, Schwerverletzten oder extremen Sachschäden zugetragen haben müssen.

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